Der April 2015 ist geprägt von Festnahmen und Durchsuchungsbefehlen. Neben den X-Men ist auch Steve Rogers in Visier des Staats geraten. Nachts traut sich kaum mehr jemand auf die Straßen, nachdem straffällige Mutanten aus Guantanamo-Bay befreit wurden.
Auch wenn es nicht erleichternd oder ermutigend, sondern inhaltlich sogar eher beängstigend war, so war Jamie doch froh, dass Hank ehrlich war und die Dinge nicht verharmloste oder beschönigte, sondern realistisch war. Er war nicht wie die (wenigen) anderen, mit denen sie vage gesprochen hatte, er sah es sogar noch fast pessimistischer als Jamie selbst. Er sah es wohl auch einfach realistisch. Sie war, was die Registrierung oder Enttarnung betraf, also nicht überängstlich oder paranoid, wie andere vielleicht dachten (oder zumindest hatte Jamie teilweise den Eindruck erhalten, als diese ein gewisses Unverständnis über ihr Verhalten ausgedrückt hatten) – sondern ihre Angst war sehr berechtigt.
Dr. McCoy bestätigte mit wissender Überzeugung, dass man sie bei einer Registrierung direkt festgenommen hätte. Der Knoten in ihrem Hals schwoll etwas an, obwohl Hank „lediglich“ bestätigte, wovon sie selbst schon die ganze Zeit ausgegangen war oder es zumindest gefürchtet hatte.
Auch schien der blaue Mutant die Schwierigkeit, um nicht zu sagen Ausweglosigkeit, ihrer Lage deutlich zu sehen und zeigte und sagte das und die Ratlosigkeit offen und ehrlich.
Auch wenn es vielleicht bei den Behörden nichts helfen würde, so war es doch für Jamie selber irgendwie wertvoll, dass Hank an ihre Unschuld glaubte und ihre Situation und Verhalten verstand oder zumindest nachvollziehen konnte.
Angespannt hörte sie seinen weiteren Überlegungen oder laut ausgesprochenen Gedanken zu. Als er das ‚Wenn du dich stellst‘ aussprach, verkrampften sich ihre Finger um die Cola-Flasche und die Angst spiegelte sich in ihrem Blick. Dass er ihre Mutation kannte und bestätigen konnte, dass sie die angelasteten mutantischen Fähigkeiten gar nicht hatte, war hingegen tatsächlich ein Lichtblick, an den sie bisher nicht gedacht hatte und machte ihr etwas Hoffnung. Bisher war sie davon ausgegangen, dass… hatte sie befürchtet, dass… Die Art und Weise von Hanks Untersuchungen war mit Sicherheit kein Vergleich zu dem, was ihr bevorstand, wenn „die“ das testen würden, nachdem man sie inhaftiert hatte… Aber würden sie sich mit der Expertise von Dr. McCoy begnügen?…
Noch bevor sie den Gedanken fertig denken konnte, äusserte Hank diesen Zweifel ebenfalls. Und seine Schlussfolgerung (zusammen mit seinen aktuellen Zweifeln am Rechtsstaat) waren so erschreckend wie bestätigend.
Jamie wurde bleich und in ihrem Blick stand die Angst nun noch viel deutlicher. Wie musste man sich eine U-Haft für einen mordverdächtigen Mutanten vorstellen, von dem man glaubte, dass er Metall und Feuer beherrschen und manipulieren konnte? Bilder tauchten in ihrem Kopf auf, die Bilder, die Aktivisten vor einigen Monaten veröffentlicht hatten, Bilder, die Dinge bestätigt hatten, die man zuvor als Schauermärchen abgetan hatte.
Dass Hank es eben nicht idealistisch (wie manchmal die God’s Children), sondern realistisch sah, machte ihr deutlich, dass er der richtige war, um über dieses Problem zu sprechen und allfällig eine Lösung zu finden – falls letzteres überhaupt möglich war.
„Ja…“, antwortete Jamie auf die Frage, die Hank schliesslich stellte, „aber dieses Phantombild war nicht wirklich gut. Es sah so aus, als ob die meisten Augenzeugen sich wohl hauptsächlich an die grünen Haare der anderen Mutantin erinnert hatten und dabei unser sonstiges Aussehen etwas untergegangen war – oder bei den verschiedenen Augenzeugen zu weit auseinander… Und ich hab mir danach die Haare gefärbt… und dann später noch nochmals und sie kurz geschnitten, um mein Aussehen zu verändern…“
Die Tatsache, dass Hank bereits diesen Fall so pessimistisch sah – noch pessimistischer als sie selbst – wo das doch noch nicht mal die Hälfte des ganzen Ausmasses war, beunruhigte Jamie sehr. Beinahe etwas verzweifelt sprach sie das Argument aus, das Carrie wohl zu ihr gesagt hätte:
„Ich denke, es war Notwehr… Und ich hab auch gehört, wie die Mutantin die Angreifer mehrmals aufgefordert hat aufzuhören und sie gewarnt hat, aber sie haben nicht aufgehört auf mich einzuprügeln, obwohl ich längst am Boden lag. Was sie bei ihr gemacht haben, hab ich nicht mehr gesehen…“
Etwas fahrig fuhr sie sich mit der linken Hand übers Gesicht und krampfte sie dann wieder zurück an die Cola-Flasche, bevor sie anfügte:
„Ich… habe mich ein paar Tage später auch mit einer anonymen Nachricht bei der Polizei gemeldet, um die Ereignisse so zu schildern, wie sie wirklich waren… zumindest soweit ich sie noch mitbekommen habe… Dass diese grünhaarige Mutantin jemandem, den sie nicht einmal kannte, wahrscheinlich das Leben gerettet hat, indem sie das herunterstürzende Metalldings abgelenkt hat… wie die Leute zweitere danach zu Unrecht beschuldigt und schliesslich angegriffen haben… und…“
Jamie brach ab, weil sie merkte, dass sie sich wiederholte, und fuhr stattdessen fort:
„Die Antwort war, dass die Person sich umgehend stellen soll… so oder so… dass, falls diese Behauptung stimmen sollte, dass sie dann ja nichts zu befürchten hätte… dann würde ein Gentest ja rasch zeigen, dass sie keine Mutantin ist und demnach – entgegen der zahlreichen Augenzeugen – auch nicht die mutantische Komplizin der anderen sein könne…“
Niedergeschlagen verzog Jamie das Gesicht.
„Aber ich BIN eben eine Mutantin…“
Sie biss sich auf die Lippe und starrte einen Moment auf die Cola-Flasche in ihren schwitzigen Händen.
„…und wenn ich mich stellen würde… ich befürchte… das gleiche wie Du… dass man mir nicht glauben wird und dass ihnen deine Expertise nicht genügen wird… dass sie eigene Tests machen wollen…“
Wieder schwappte die Angst über ihr Gesicht.
„Ich habe die Bilder gesehen, die im Sommer veröffentlicht wurden… von diesen… ‚Zentren‘, wo sie Experimente mit Mutanten gemacht haben…
Ich hab Angst, dass ich in Haft muss… oder in U-Haft… Was für… Bedingungen, Massnahmen und Vorkehrungen muss ich da erwarten, wenn die denken, dass ich ein mutantischer Mörder bin, der Metall und Feuer beherrschen und manipulieren kann?“
Danke euch für die guten Wünsche.
Ich hatte einen sehr milden Verlauf. Keine der typischen Symptome, lediglich ein etwas krankes Gefühl im Kopf, relativ müde, plus Kopf- und Nackenschmerzen. (Hätte ich nicht gewusst, dass ich 5 Tage vorher Kontakt mit einem Freund gehabt hatte, der inzwischen positiv getestet worden war, wär ich nie auf die Idee gekommen, dass das Corona sein könnte.) Nach wenigen Tagen konnte ich wieder zurück zu meinem Arbeitspensum (im Homeoffice) und jetzt hab ich auch die Isolation hinter mir, so dass ich ab morgen wieder mit der gezwungendermassen ausgesetzten Schultertherapie weitermachen kann.
D.h. ich bin zuversichtlich, dass ich kommendes WE mit unserer Szene weitermachen kann, Chris 🙂
LG, Lena
Hanks Verwirrung und seine Nachfragen machten Jamie deutlich, dass sie sich in ihrer Nervosität in der Tat ziemlich verwirrend und missverständlich ausgedrückt hatte.
„Oh… nein… Tut mir leid. Das war ziemlich missverständlich…“, schüttelte sie etwas verlegen und entschuldigend den Kopf. „Ich hab mich darauf bezogen, dass nicht-registrierter Mutant zu sein, ´kriminell´ ist… ich also spätestens seit ich Gewissheit habe, aber wohl schon vorher… und die Polizei oder die Behörden viel daran setzen, nicht registrierte Mutanten zu finden oder zu enttarnen… Aber nein, du hast Recht, von meiner Mutation wissen bisher zum Glück nur ganz wenige. Und die Polizei weiss noch nichts davon. Aber…“ Jamie brach ab und versuchte zu präzisieren: „Ich meine, die Polizei weiss nicht, dass Jamie White eine Mutantin ist… sonst hätten sie mich wohl längst… geholt.“ Sie schauderte bei dem Gedanken. „Aber ich werde von der Polizei gesucht, weil… Also da kennen sie meine Identität nicht, aber es gibt ein Phantombild und wohl Fingerabdrücke. Sie halten mich für eine gefährliche Mutantin, die Metall beherrschen und Feuer erzeugen und beherrschen kann. Und…“
Jamie strich sich angespannt mit der Hand übers Gesicht. Und sie merkte, dass sie wohl wieder verwirrend wurde, weil sie erneut hinten angefangen hatte, anstatt ganz von vorne, wie Hank gebeten hatte.
„Also ganz von vorne…“, begann sie daher erneut. „Es hat damit angefangen, dass…“
Sie atmete etwas angestrengt einmal tief ein und aus, bevor sie weiterfuhr – wobei mit diesem Ereignis anfangen zu können, wenigstens nicht ganz so…
Jamie senkte den Blick und sprach leise und beinahe monoton, während ihre Hände die Cola-Flasche umklammerten: „Ich… wurde spitalreif geprügelt, weil man mich für eine gefährliche Mutantin gehalten hat… In Wahrheit… Eine Mutantin hat mich davor gerettet, von einem herunterstürzenden, grossen Metallteil getroffen zu werden. Sie hat es abgelenkt. Die Leute um mich herum haben gedacht, dass ich es selbst mit mutantischen Kräften abgelenkt habe, und haben mir vorgeworfen, dass ich sie dadurch alle gefährdet hätte. Als ich gemerkt habe, dass es kritisch wird, weil sie mir nicht glauben, hab ich versucht abzuhauen. Aber sie haben mich aufgehalten und… … Die Mutantin hat eingegriffen und… Es wurde jemand getötet… Ich weiss nicht genau… ich lag am Boden. Und ich weiss nicht, was mit mir passiert wäre… ob sie aufgehört hätten, wenn sie es nicht getan hätte. Aber dann war einer von ihnen tot… und wir zwei mutantische Monster, Mörder… Sie hat mich mit weggeschleppt, bevor die Polizei kam… weil die mir auch nicht geglaubt hätte… erst recht nicht, wenn rausgekommen wär, dass ich eben doch eine Mutantin bin – wenn auch nicht diejenige, für die sie mich gehalten haben…“
Nun hob Jamie den Blick wieder und in ihm stand die Angst. „Ich bin sicher, dass die Polizei Fingerabdrücke von mir hat. Und wenn sie die bei einer Registrierung abgeglichen hätten…“
Zwar vermischte sie hier wieder etwas die Ereignisse, aber das änderte nichts an der beängstigenden Tatsache und an Jamies Konsequenz…
„Deshalb… ich kann nicht… ich konnte nicht… mich registrieren…“ Bei Ablauf der Frist hatte sie zwar auch noch nicht mit Sicherheit gewusst, dass sie wirklich eine Mutantin war, auch wenn sie davon ausgehen musste. Aber jetzt… Und jetzt war es nur noch schlimmer…
Die Angst sass wie ein dicker Knoten in Jamies Hals.
Jamies verletzte Hand schmerzte, als sich ihre Komplizin auf die Räuberleiter stellte, aber Jamie biss auf die Zähne. Das Öffnen des Deckels schien schwieriger als erhofft. Die Blasse schwankte bedrohlich in der Räuberleiter und Jamie wusste nicht, wie sie sie besser stabilisieren könnte. Und dann plötzlich fiel ihre Komplizin tatsächlich platschend runter.
„Oh Scheisse!“, entfuhr es Jamie erschrocken. „Hast du dich verletzt?“, fragte sie. Dass die andere fluchte, konnte Jamie ihr nicht verdenken. Aber glücklicherweise schienen wenigstens alle Knochen noch heil zu sein, denn die andere wollte tatsächlich nochmals hoch, um ihren Plan zu Ende zu führen. Diesmal versuchte Jamie, während der Räuberleiter mit dem Oberkörper etwas mehr nach vorne zu lehnen, damit die andere das Bein vielleicht etwas mehr gegen sie stützen konnte, um ein wenig mehr Halt zu haben. Und diesmal klappte das Öffnen des Deckels schliesslich.
„Ok“, antwortete Jamie auf die Anweisung. Nochmal etwas weniger erpicht als bereits zuvor, stieg also nun sie auf die bereitgehaltenen Hände, um die gewünschte Blutspur zu legen. Sie wollte es ihrer Komplizin definitiv nicht gleichtun und ebenfalls runterfallen. Aber mit dem seitlichen Abstützen des Beines am Oberkörper der anderen, und weil sie nicht mit Kraft am Deckel herumhantieren musste, sondern nur ihre blutende Hand hinschmieren, klappte es, ohne dass sie tauchte.
„Ok, das hätten wir“, sagte sie schliesslich leise, während sie wieder runter ins Wasser stieg.
Die ´Unsichtbare´ übernahm wieder die Führung und sie gingen weiter. Sie schien sich hier unten wirklich gut auszukennen. Jamie fragte sich warum, konzentrierte sich aber vorerst weiter aufs Waten und aufs Horchen.
Als die andere ankündigte, dass sie nun aus dem Wasser rauskämen, atmete Jamie erleichtert auf. Das Wasser zu verlassen, war der eine Grund, der andere…
„Gut“, sagte sie. „Denn von irgendwo hör ich jetzt leise Stimmen in der Kanalisation. Ich kann nicht genau sagen von wo… ein ordentliches Stück weg. Vielleicht haben die Polizisten unseren Einstieg aus dem Haus gefunden… Da ist es gut, wenn wir keine Watgeräusche mehr machen.“ Obwohl es unwahrscheinlich war, dass die Polizei das bei ihrem Vorsprung hören konnte, denn normale Ohren hörten wohl weder die Stimmen noch Waten über diese Distanz – aber sicher war sicher.
Krabbeln machte Jamie nichts aus – lieber krabbeln als Wasser.
„Ok“, antwortete Jamie wieder leise auf die nächste Warnung und passte auf, nicht in die junge Frau vor sich reinzurutschen. Tatsächlich hatte sie etwas Mühe mit dem Gleichgewicht resp. es wurde ihr allmählich ein wenig schwindlig.
„Du scheinst dich hier wirklich gut auszukennen“, bemerkte Jamie beeindruckt, nachdem sie sich durch die Lücke der entfernten Gitterstäbe gezwängt hatten und die Unsichtbare ihr erklärte, wo lang sie sie zu einem Ausgang führen würde.
Jamie nickte zum Zeichen, dass sie Hanks beruhigende Worte und sein Versprechen verstanden hatte, und folgte seinem Rat. Sie atmete tief durch und trank einen kleinen Schluck aus ihrer Cola-Flasche, während sie ihm in den unteren Bereich des Instituts folgte. Sie glaubte ihm, dass sie bei ihm sicher war – auch wenn sein Äusseres auf den ersten Blick erschreckend sein mochte, so hatte sie bis jetzt kaum jemanden erlebt, bei dem sie so sicher war, dass sie ihm vertrauen konnte, wie bei ihm.
Seine Zuversicht, dass sie auf jeden Fall eine Lösung für ihr Problem finden würden, konnte sie hingegen nicht so leicht übernehmen. Sie wusste nicht, ob es überhaupt eine Lösung gab – ausser schlechten und noch schlechteren resp. riskanteren.
Aber selbst wenn es keine Lösung gab, vielleicht half es irgendwie schon etwas resp. nahm etwas von dem immer zerfressenderen Druck, wenn sie das schreckliche Geheimnis nur endlich einmal jemandem erzählen konnte… die Möglichkeit, das auszusprechen, was so schwer lastete, aber worüber man mit niemandem reden durfte. Und – wie schon gegenüber anderen – war da auch wieder irgendwie dieses Bedürfnis, ihm eine Erklärung abzuliefern, eine Erklärung, warum sie so handelte, wie sie es tat und wie es nicht vernünftig schien… warum (neben all den anderen naheliegenden Gründen) sie sich nicht registrieren oder zur Polizei gehen konnte… warum sie so grosse Angst hatte… Es war schwer, hören zu müssen, dass Mutanten, die sich nicht registrierten oder stellten, die ganze Situation für die Mutanten nur noch schlimmer machten. Sie verstand, dass das irgendwo resp. in gewisser Weise stimmte. Aber sich, um das zu verhindern, in eine noch viel schlimmere Situation zu begeben… Was der gefährlichen Mutantin, für die man Jamie hielt, blühte… der Gedanke daran liess regelmässig Übelkeit in ihr aufsteigen. Seit sie 10 war und Mr Jones darüber hatte reden hören, hatte sie Alpträume davon. Und die Entwicklungen und Enthüllungen des letzten Jahres hatten erschreckenderweise gezeigt, dass das nicht nur Schauermärchen waren… Wenn man ein mutiger Held war, hätte man sich wohl auch in Jamies schwieriger Situation registriert. Aber sie war kein Held, sie war einfach nur eine „normale“ junge Frau, und sie hatte Angst – Angst, als kriminelle Mutantin verhaftet zu werden und… Sie konnte grundsätzlich nachvollziehen, dass man eine Nicht-Registrierung problematisch (oder die falsche Entscheidung) finden konnte – es WAR zweifellos problematisch, sich dadurch automatisch kriminell zu machen – aber sie hoffte, dass man vielleicht auch verstehen konnte, warum sie es getan hatte, wenn man die ganze Wahrheit kannte.
Aber das Netz zog sich immer enger…
Jamie folgte Hanks Geste und freundlichen Aufforderung, trat in den geschützten Raum und setzte sich auf einen Stuhl.
Sein unkompliziertes Duzis kam für Jamie im ersten Moment etwas unerwartet, aber es redete sich wahrscheinlich wirklich einfacher ohne die formelle Sie-Distanz „Ja, danke… Hank“, antwortete sie daher in einer Mischung aus ein wenig Überraschung, leichter Verlegenheit und einem etwas nervösen Lächeln.
Während Hank die Tür schloss, sah sich Jamie flüchtig in dem Raum um, ohne jedoch wirklich viel bewusst wahrzunehmen. Dass der akustische Wirrwarr aus dem Gebäude markant zurückging, sobald die Tür zu war, registrierte sie hingegen sehr deutlich. Wirkliche Stille kannte Jamie nicht, aber hier drin war es nun beinahe unwirklich ruhig, fast gespenstisch. Umso lauter und deutlicher hörte sie die leisen Geräusche aus dem Inneren des Raums – ein leises Rauschen oder Summen von irgendwas, Hanks Schritte, das Hämmern ihres Herzens…
Jamie wischte sich ihre feuchten Hände an ihrer Jeans ab. Als sich der blaue Doktor schliesslich ebenfalls gesetzt hatte und aussah, als ob er bereit wäre, nahm sie rasch noch einmal einen Schluck aus ihrer Cola-Flasche. Danach wischte sie erneut ihre Hände an der Hose ab und atmete dann einmal tief ein und aus.
„Also dann… Ich… Danke, dass Sie sich… dass du dir Zeit nimmst…“, begann Jamie nervös. „Wie ich bereits gesagt hatte, wurde mir empfohlen, mal mit… dir über das Problem zu sprechen, weil…“
Sie nahm einen weiteren Schluck Cola, weil ihr Mund schon wieder ganz trocken war.
„Ich… ich weiss nicht, wie ich anfangen soll…“ Sie schnitt eine Grimasse, weil ihr nichts mehr von dem in den Sinn kam, was sie sich vorher versucht hatte zu überlegen oder wie sie gegenüber Carrie das Problem eingeleitet hatte. Schliesslich platzte sie deshalb unbeholfen mehr oder weniger direkt mit der Tür ins Haus:
„Ich… es ist so, dass… eine unregistrierte Mutantin zu sein, ist nicht das einzig Kri… ich meine das einzige, weswegen ich von der Polizei gesucht werde…“ Das stimmte, aber es klang… Aufgewühlt schüttelte Jamie den Kopf und fügte hastig an „Bitte, ich… ich habe niemandem etwas getan…“
ok, danke 🙂
PS: Der „Abonnieren“ Button scheint nicht (mehr) zu funktionieren.
(Ich wollte die Blacklist wieder abonnieren, aber Klicken auf den Button scheint keine Wirkung zu haben.)
[fehlende Benachrichtigungen und PNs)
Huhu,
(Weiss nicht, ob das hier der richtige Ort dafür ist.)
Ich wollte mitteilen, dass es (zumindest bei mir) in letzter Zeit Probleme mit nicht erhaltenen Benachrichtigungen und PNs gibt / gegeben hat – u.a. hab ich keine Benachrichtigung zur letzten News-PN und zur Blacklist erhalten. (Sonst kriegte ich bei denen jeweils eine Email-Benachrichtigung; jetzt hab ich´s nur mitgekriegt, weil ich mich zufällig grad heute eingeloggt habe). U.a. bei der Blacklist hab ich heute festgestellt, dass meine Abonnierung verschwunden ist. Die neueste News-PN ist (glücklicherweise) nach dem Einloggen in einem eingeblendeten Fenster erschienen, bei meinen PNs kann ich sie aber nicht finden.
Falls ich nicht die einzige mit diesem Problem bin, könnt ihr dem nachgehen u/o vielleicht sicherheitshalber nochmals eine PN versenden? Nicht dass Leute/Postingpartner gelöscht werden, weil sie nichts vom Wiedereinführen der Blacklist mitgekriegt haben.
Danke 🙂
Lena
Jamie wurde etwas verlegen, als Dr. McCoy aufgrund ihrer ´andere Ohren´-Bemerkung nachfragte, ob es gleich so schlimm werden würde. Urgs, nein, so hatte sie das nicht gemeint! „Oh nein, ich habe das nicht deshalb gesagt…“, setzte sie rasch halb entschuldigend, halb beschwichtigend an, „…es war mehr eine allgemeine Bemerkung, weil Sie eben ges…“ Doch dann brach sie verunsichert ab, weil es zwar stimmte, was sie sagte (dass sie es nicht deshalb gesagt, sondern fast eher als augenzwinkernden Hinweis gemeint hatte), aber ihr bewusst wurde, dass sie damit vielleicht seine wörtliche Frage nicht wirklich beantwortete. „…wobei ich… also… ich bin mir nicht sicher, wie schlimm…“ Sie verzog etwas das Gesicht, schüttelte den Kopf und entschuldigte sich für ihr Gestammel.
Nichtsdestotrotz weiteten sich Jamies Augen interessiert, als Hank bestätigte, dass es hier wohl durchaus noch andere Mutanten gab, die ähnlich viel hören konnten wie sie. Und auch das, was er über diesen Jake sagte, klang sehr interessant. Sie erinnerte sich, dass Hank diese speziellen Fähigkeiten des Hausmeisters schon einmal angesprochen hatte.
Der blaue Mutant bot die Idee an, dass sie auch in einen besser abgeschirmten Besprechungsraum im Untergeschoss gehen konnten, wenn ihr dann wohler war. Es war Jamie immer noch etwas peinlich und sie war mit der Frage gerade irgendwie überfordert. Es war für sie naheliegend gewesen, dass das Gespräch in Dr. McCoys Büro stattfinden würde. Und sie wollte nicht den Eindruck erwecken, dass sie dieses als unsicher betrachtete, „nur“ weil es halt Mutanten gab, die alles hören konnten, was im Gebäude vor sich ging… Aber nun… vielleicht war es tatsächlich besser nach unten zu gehen?
Dankend nahm Jamie die Cola an.
Als sie merkte, dass Hank noch auf ihre Antwort wartete, sagte sie etwas hilflos: „Ähm… ich weiss nicht… ich… also… ich wollte nicht, dass… aber vielleicht ist es fürs erste wirklich besser?“ Es war als hoffte sie, er würde ihr die Entscheidung abnehmen. Das fing ja gut an, wenn sie damit schon überfordert war…
Sie musste sich zusammenreissen! Die Nervosität kontrollieren! Rein rational war es doch besser, in den gedämmten Raum zu gehen! Wenn zuerst einmal nur Hank die Sache hörte, schränkte das potenzielle Dilemmas ein. Und Hank hatte das doch quasi mit seiner ersten Aussage – dass sie in seinem Büro erst mal in Ruhe sprechen konnten, ´ohne andere Ohren´ – auch bestätigt, dass das besser war.
Nervös folgte sie ihm dann weiter durch den Korridor, die Cola-Flasche fest umklammert.
Die „Unsichtbare“ schien mit der vermuteten Strassenangabe etwas anfangen zu können und winkte Jamie in die Richtung, in die auch Jamie tendiert hätte. Aber Jamie war froh, dass ihre Komplizin da sicherer schien, als sich auf ihr vages Bauchgefühl verlassen zu müssen. Rasch folgte Jamie dem dunklen Schemen resp. den eiligen Schritten vor ihr. Da sie letztere gut hörte, störte es sie wenig, dass man nach der nächsten Ecke wegen der zunehmenden Dunkelheit kaum noch etwas sah. Der bisweilen unangenehme Geruch störte sie eindeutig mehr. Wobei sie gerade froh war, dass ihr Geruchssinn nicht so aussergewöhnlich gut war wie ihr Gehör.
Eine nicht-sichtbare Stufe war natürlich auch für Jamies Gehör nicht einfach so zu hören – da war die entsprechende Warnung ihrer Fluchtkomplizin definitiv hilfreich. Doch was Jamie hingegen gleich danach – auch ohne Warnung – hörte, war das leise Platschen, als die junge Frau vor ihr ins Wasser trat.
„Args, Scheisse…“, machte Jamie schaudernd, als sie das Wasser hörte und blieb abrupt vor dem Absatz stehen. Hätte die andere Mutantin so ein feines Gehör gehabt wie Jamie, hätte sie nun ein ähnliches beschleunigtes Herzhämmern hören können, wie Jamie zuvor bei ihr auf dem hohen Gerüst.
Scheisse, ausgerechnet Wasser!… Na was erwartest du denn in der Kanalisation? Jamie musste wohl zugeben, dass das nicht wirklich überraschend war.
Angestrengt versuchte sie die Panik zurückzuhalten. Ihr Herz hämmerte so laut, dass sie beinahe fürchtete, es wäre im ganzen Kanalisationsnetz zu hören. Gleichzeitig signalisierte ihr ihr Gehör aber auch, dass das Wasser nach dem Absatz nicht allzu tief sein konnte, so wie das Geräusch des zweiten reinplatschenden Fusses und des anschliessenden Watens klang. Hörst du? Sie watet. Also ist das nicht tief. Da kannst du nicht ertrinken… Sie musste sich zusammenreissen! Sie atmete zweimal rasch ein und aus, in dem Versuch, sich zu beruhigen. Dann holte sie tief Luft, fluchte leise und senkte den linken Fuss vorsichtig ins Wasser. „Uarh“, machte sie leise schaudernd, als das kalte Wasser in ihren Schuh lief, bevor sie festen Boden unter ihm spürte. Aber immerhin waren es nur noch wenige Zentimeter weiter/tiefer, bis die den Boden erreichte, was dann zumindest für ein bisschen Erleichterung sorgte. Sie atmete wieder zweimal durch die zusammengebissenen Zähne ein und aus, dann stellte sie auch den zweiten Fuss ins Wasser. Sie versuchte sicher zu stehen, sich dessen bewusst zu machen. Rationales Denken, nicht blinde Panik! Dieses knöcheltiefe Wasser ist keine Gefahr. Jetzt einfach weitergehen. Vorsichtig begann sie zu waten.
Die Stimme vor ihr sagte leise, dass sie ihre Spuren verwischen mussten. „Stimmt…“, erwiderte Jamie etwas atemlos. „Ich hasse Wasser. Aber um Spuren zu verwischen ist es das Beste – nicht zuletzt gegen verfolgende Hunde…“
Zunächst langsam, dann etwas schneller, watete Jamie ihrer Komplizin vorsichtig hinterher – wobei sie angestrengt auf die Schritte vor sich horchte, auf potenzielle Alarmzeichen, falls das Wasser plötzlich tiefer werden sollte.
An einer (durch oben einfallendes Licht) etwas helleren Stelle blieb die junge Frau vor ihr stehen, deutete nach oben und erklärte rasch ihren Plan.
„Ok“, antwortete Jamie etwas nervös. „Also mir wär ja lieber, nicht noch mehr Blutspuren zu hinterlassen…“, flüsterte sie mit etwas Unbehagen. „Aber… wenn es uns nützt… und auf eine mehr oder weniger kommt es wohl jetzt auch nicht mehr an.“ Das war wahr und beängstigend zugleich.
„Also wo soll mein Blut hin? Hier unten, oder oben beim Deckel?“, fragte sie, während sie neben die andere trat und ihre Hände zu einer Räuberleiter verschränkte.
Ohne es zu wissen, brachte Jamie Hank also auf andere Gedanken, half ihm bei seiner Form der Verdrängung. Tatsächlich kannte sie allerdings das mit der Verdrängung, nicht Verarbeitung, selber sehr gut – immer wieder musste sie das erdrückende Problem und die zerfressende Angst verdrängen, damit ihre Gedanken nicht ausschliesslich darum kreisten, damit sie nicht durchdrehte vor Angst.
Doch nun war sie hier. Und während das Hank auf andere Gedanken brachte, machte es das bei ihr eben gerade nicht, weil es ja eben gerade um das ging, was sie lieber verdrängte…
Entsprechend waren Jamies ´nur etwas nervös´ und ´etwas Angst´ eine ziemliche Untertreibung. Und eine leichte Übelkeit sass direkt unterhalb des Kehlkopfes in den Startlöchern.
Hanks Versicherung, dass sie im Institut richtig war und dieses kaum in eine schwierige Situation bringen würde, baute einen weiteren Teil von Jamies Nervosität und ungutem Gefühl bei der ganzen Sache ab – auch wenn sie nicht sicher war, ob Hank, wenn er erfuhr, worum es ging, das immer noch gleich einschätzten würde.
Vielleicht half seine Immunität, die er scherzhaft anführte, da tatsächlich – zumindest rechtlich. Aber wie sah es mit Ruf oder moralischem Dilemma aus?
Trotzdem folgte Jamie dem freundlichen, blauen Doktor etwas zuversichtlicher zu seinem Büro. Wobei seine Bemerkung, dass sie dort erst mal in Ruhe und ´ohne andere Ohren´ über alles sprechen konnten, sich für jemanden wie sie natürlich etwas speziell anhörte. ´Ohne andere Ohren´ war für sich kaum vorstellbar – ausser man war in einem absolut schalldichten Raum. Für sie war es normal, dass alles, was irgendwo in der Umgebung gesprochen wurde, hörbar war – daher hütete sie sich auch stets, heikle Dinge auszusprechen, die nicht für andere Ohren bestimmt waren, während sie selbst sehr diskret mit dem umging, was sie alles hörte. Auch jetzt konnte sie ein vielfaches Stimmengewirr aus mehreren Etagen wahrnehmen. Und bei einem Institut voller Mutanten, war es nicht unwahrscheinlich, dass sie hier vielleicht nicht die einzige war, die das konnte.
„Wollen Sie damit sagen, dass es hier keine anderen… Mutanten gibt, die – wie ich – sehr gut hören?“, fragte sie ebenfalls leicht scherzend, aber zugleich neugierig. Tatsächlich hatte sie keine Ahnung, wie verbreitet oder selten so eine Fähigkeit unter Mutanten war. Dass sie nicht die einzige war, wusste sie allerdings, denn sie hatte tatsächlich schon einmal jemanden getroffen, der resp. die offensichtlich genauso gut hörte wie sie. „Oder haben Sie ein speziell schalldichtes Büro, so dass neugierige Schüler mit guten Ohren Ihre Gespräche nicht mithören können?“
Als Hank Jamie auf dem Weg zum Büro fragte, ob er ihr noch etwas zu trinken anbieten dürfe, musste sie nicht lange überlegen. Die Nervosität hatte ihren Mund trocken gemacht und…
„Ja gerne. Danke“, antwortete sie. „Wenn sie vielleicht eine Cola hätten… oder Tee.“
Das half gegen drohende/aufkommende Übelkeit.
Jamie war dankbar, wie schnell das hier am Tor ging – je kürzer sie hier stand, desto kleiner die Chance, dass es jemand Ungewünschtes mitbekam. Nachdem sie auf die höfliche Rückfrage ihren Namen genannt hatte und dass sie einen Termin bei Dr. McCoy hatte, wurde das Tor sogleich geöffnet und sie eingelassen. Sie bedankte sich und folgte direkt der Anweisung, dass sie gleich weiter zum Haupteingang gehen könne. Zügig ging sie also über den knirschenden Kiesweg zum Haus. Ihre Nervosität nahm nochmals zu.
Hätte sie gewusst, was Hank vor 2 Tagen passiert war – oder was hier morgen passieren würde – sie hätte wohl gleich wieder umgedreht, um ihn nicht mit ihren Problemen zu belästigen…
Noch bevor Jamie die Eingangstür ganz erreicht hatte, wurde diese geöffnet und Hank höchstpersönlich stand in der Tür. Er begrüsste sie mit einem freundlichen Lächeln, was den Knoten in Jamies Bauch sogleich ein wenig löste.
„Guten Abend“, erwiderte sie ebenfalls freundlich und mit einem kleinen Lächeln. Doch Hank sah offenbar mehr, oder Jamie schaffte es nicht wirklich, ihre Nervosität zu verbergen, oder beides – das zeigten seine Worte, nachdem sie seiner einladenden Geste dankend gefolgt und ins Haus eingetreten war.
„Ja, ich bin soweit ok“, antwortete sie und verzog das Gesicht zu einem weiteren nervösen Lächeln, bevor sie anfügte: „Ich bin nur etwas nervös, weil… ich hatte etwas Angst, dass mich jemand sieht, wenn ich hierherkomme… und ich bin mir nicht sicher, ob es überhaupt richtig ist, mit der Sache hierher zu kommen. Ich möchte Sie oder das Institut nicht… in eine schwierige Situation bringen.“ Sie schüttelte entschuldigend den Kopf und wischte sich die feuchten Handflächen seitlich an ihrer Jeans ab.
Ja, mit der blutenden Hand sollte Jamie definitiv keine Griffe mehr anfassen. Nervös zog sie, wie geraten, den Ärmel ihrer Jacke über die Hand. Dass die Unsichtbare sie drängte weiterzugehen, nahm ihr quasi die Entscheidung ab, ob sie versuchen sollte, ihre Blutspuren zu verwischen. Nein, die andere hatte Recht, dafür hatten sie keine Zeit, sie mussten weiter! Auch wenn der Gedanke, dass die Polizei nun von ihr nicht nur Fingerabdrücke, sondern auch eine Blutprobe hatte, Übelkeit in Jamie aufsteigen liess. Trotzdem folgte sie der anderen rasch in den komischen Raum.
Jamie schaute sich nach Türen oder anderem um, was ihnen weiterhelfen konnte. Doch da verkündete die blasse, junge Frau vor ihr bereits, dass sie den ´Weg in die Freiheit´ gefunden hatte. Sie schien sich offensichtlich damit auszukennen, denn bevor Jamie ausmachen konnte, was das genau war, hatte sie den Zugang bereits routiniert aufgemacht. Sie übernahm die Führung und kletterte hinein. Jamie schaute ihr nach, wie sie hinunterkletterte – es schien also ein Zugang zur Kanalisation zu sein? – und folgte ihr dann rasch, wie geheissen. Sie stellte sich etwas unerfahrener an, als sie, auf der Leiter stehend, den Zugang hinter resp. über sich wieder schliessen sollte. Sie fluchte leise, streckte die blutende Hand schliesslich wieder aus dem Ärmel heraus, umschlang mit dem linken Bein den Holm der Leiter, um genügend Halt zu haben und griff dann mit beiden Händen zu, um den verfluchten Zugang zu schliessen. Und ja, falls die Polizei auf die Idee kam, den zu öffnen, würde sie auf dem Griff an der Innenseite weitere Blutspuren von Jamie finden – aber das liess sich in der Eile jetzt auch nicht vermeiden.
Möglichst rasch stieg Jamie die Leiter hinunter. Die Beleuchtung war äusserst spärlich, aber das störte sie nur wenig – sie verliess sich i.d.R. sowieso mehr auf ihr Gehör als auf ihre Augen. Ihre Schritte auf der Leiter klangen in ihren Ohren furchtbar laut – nicht im Sinne von schmerzhaft, sondern so, dass sie das Gefühl hatte, die Polizisten über ihnen müssten das mit Sicherheit auch hören können (auch wenn sie wusste, dass es nicht so war – höchstens der Hund, der immer noch ab und zu winselte).
Der Sprung resp. die Landung, die sie von der Unsichtbaren gehört hatte, deutete darauf hin, dass diese bereits einen horizontalen Gang erreicht hatte. Ebenfalls dort angekommen, ergriff Jamie die gereichte (wohl mit Ärmel bedeckte) Hand und sprang ebenfalls in den Gang runter.
Sie schaute nach links und rechts, als die andere fragte, in welcher Strasse sie zuvor gewesen waren. Die Stimme hallte erschreckend von den Wänden, obwohl es wahrscheinlich nicht so laut war, wie Jamie fürchtete.
„Urgs… ähm…“, antwortete sie leise und etwas überfordert, „… 9. Strasse?“ Sie war sich nicht ganz sicher, aber es könnte hinkommen.
Jamie tendierte dazu, nach rechts zu laufen. Aber sie wartete ab, was die andere junge Frau mit der Orts-Information anfangen konnte. Vielleicht hatte sie ja eine fundiertere Richtungspräferenz.
Ororos Kommentar, dass die Polizei bei Mutanten immer länger brauchte und warum, stärkte Jamies Hoffnung und beruhigte sie ein wenig. Auf Storms Schimpfen, dass immer die Mutanten Schuld waren, nickte Jamie unbehaglich.
Die X-Men reagierte auf die Helikopter-Warnung und schien diesen ebenfalls als potentiell gefährlich für sie beide einzustufen. Jamie liess sich von ihr in den Sichtschutz bietenden Hauseingang schieben und hoffte, dass das reichte. Erschöpft setzte sie sich auf den Boden und lehnte sich an die Wand.
Dann begann das nervenaufreibende Warten auf das Fahrzeug vom Institut. Es würde nicht lange dauern – offensichtlich war jemand mit einem Auto in der Nähe. Doch Jamie kam jede Minute wie eine Ewigkeit vor – eine gefährliche Ewigkeit. Ob die durch den Fleckenausbruch verursachte Übelkeit oder die bange Nervosität die grössere Übelkeit verursachte, vermochte sie nicht zu sagen. Sie atmete durch den offenen Mund und versuchte mit ihrem feinen Gehör weiter in die Umgebung zu horchen, so gut es ging.
Der Hubschrauber blieb hörbar, genauso wie die Polizei-Sirenen in der Ferne. Aber vorerst kam keines von beidem gefährlich näher, und die Nebenstrasse, in der sie sich befanden, blieb gespenstisch leer. Dann plötzlich hörte Jamie etwas, was gleichzeitig Angst und Hoffnung in ihr hochschnellen liess.
„Rechts biegt gleich ein Auto um die Ecke!“ (Zumindest deutete das leise Ticken seines Blinkers daraufhin.)
Hastig versuchte Jamie sich hochzurappeln.
Nach Hanks Übernachtungsangebot schien Jamie einen Moment zu überlegen, wobei ihr Gehirn offensichtlich zu viel Nachdenken nicht mehr wirklich in der Lage war. Offensichtlich schien aber auch, dass sie zuvor noch gar nicht weiter überlegt hatte als bis zum X-Institut zu kommen. Sie schien aber irgendwie froh zu sein, dass Hank ihr das mit seinem Vorschlag abnahm. Sein schmunzelnder Zusatz, dass sie hier auch besseres Essen hatten, als in einem Krankenhaus, brachte nochmals ein kurzes Lächeln auf ihr müdes Gesicht.
„Ja, gerne, wenn das geht“, sagte sie erleichtert, wenn auch trotzdem mit einem Funken Nervosität im müden Blick. „Ich bin froh, wenn ich heute nicht mehr nach Hause fahren muss. Resp. ich kann so nicht raus – das ist viel zu riskant.“ Ärztliche Hilfe würde sie in der Nacht kaum brauchen – normalerweise musste sie nach Fleckenausbrüchen ja jeweils auch irgendwie alleine zurechtkommen – aber sich jetzt gleich ausruhen zu können anstatt noch zwei Stunden nach Hause fahren zu müssen, bis sie schlafen konnte, das nahm sie mehr als gerne an. Vor allem aber konnte sie mit den unnatürlichen Flecken im Gesicht unmöglich nochmals unter die Leute – das wäre in ihrem Fall zu riskant und fahrlässig.
Und damit fiel Jamie jetzt auch wieder ein – nachdem sie es in der aufwühlenden letzten Stunde vorübergehend vergessen hatte – dass Dr. McCoy ihr auch noch in einer anderen Sache als der Untersuchung ihrer Flecken empfohlen worden war.
„Ich…“, begann sie etwas nervös und strengte sich an, sich zu konzentrieren. „…ich hoffe, es ist dem Institut immer noch möglich, bei… einer unangemeldeten Kontrolle… oder so… zu verhindern, dass… Unregistrierte hier entdeckt werden…“ Sie war recht zuversichtlich, dass es so war, aber die Umstände und ihre Angst trieben sie dazu, doch nochmal sichergehen zu wollen, dass es wirklich so war – ihretwegen, aber auch des Instituts wegen. „Und ich hoffe, das macht nicht zu viele Umstände…“
Sie zögerte einen Moment, bevor sie nervös mit dem anderen rausrückte, wenn auch vage: „Und falls Sie mal noch Zeit hätten… vielleicht morgen?… da ist noch etwas anderes… mir wurde… geraten, vielleicht mal mit ihnen darüber zu sprechen…“ Die harmlosen, wenig aussagekräftigen Worte standen im Widerspruch zur Angst, die für einen Moment in ihrem Blick auftauchte und ihren Herzschlag beschleunigte. Die Angst, die jedes Mal von ihr Besitz ergriff, wenn sie daran dachte, dass man ihr noch wegen etwas ganz anderem einen Strick drehen würde, als eine unregistrierte Mutantin zu sein – wobei letzteres das Ganze einfach noch viel schlimmer machte. Aber weil sie zu müde und von der letzten Stunde zu aufgewühlt war, um sich dieser Angst jetzt zu stellen, versuchte sie sie rasch wieder in den Hintergrund zu verdrängen – darin hatte sie inzwischen einigermassen Übung, denn sonst würde sie wohl durchdrehen.
„Aber das eilt nicht…“, fügte sie an. „Zunächst sind jetzt mal die… Flecken im Vordergrund… deswegen bin ja hergekommen…“ Das stimmte tatsächlich, und es war ja auch nicht so, dass sie damit im Moment nicht genug Stoff zum Verdauen und Nachdenken erhalten hatte. Wobei sie sich im Moment wünschte, über gar nichts mehr nachdenken zu müssen, sondern sich einfach auszuruhen – traumlos zu schlafen.