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Marvelous

Der April ist bekannt für sein wechselhaftes Wetter. Die Temperaturen bewegen sich zwischen 8°C – 18°C. Nachdem das Jahr 2015 sich von Beginn an regnerisch gezeigt hat, neigt sich der Trend weiterhin dorthin.

Storyline | Timeline

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The daily Bugle

Der April 2015 ist geprägt von Festnahmen und Durchsuchungsbefehlen. Neben den X-Men ist auch Steve Rogers in Visier des Staats geraten. Nachts traut sich kaum mehr jemand auf die Straßen, nachdem straffällige Mutanten aus Guantanamo-Bay befreit wurden.

Plots | Daily News

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  • #60633

    Linda
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    asdfasdf

    #60607

    Linda
    Keymaster

    «Oh, hi.»

    Peter war offenbar in Gedanken versunken gewesen, denn er hatte erst irritiert aufgeblickt und dann noch einen Moment gebraucht um wieder ins Hier und jetzt zurückzukommen. Entsprechend hatte sich sein ehrliches Lächeln, dicht gefolgt von seinem Gruss, etwas verzögert. Nun tippte er sich auf das rechte Ohr, schaltete damit den wissenschaftlichen Bericht aus, den er per Bluetooth von seinem Handy aus auf dem Ohr gehabt hatte und liess den Ohrstecker in seiner Tasche verschwinden.

    «Ja, alles wieder Bestens. Ich hab’ mit dem übergeordneten Leiter gesprochen. Keine Ahnung, was der dann genau gemacht hat, aber zwei Tage später hat alles gestimmt, Edward war noch da und Ärger hab’ ich auch keinen bekommen.»

    Es war wirklich nicht so kompliziert gewesen, wie er sich gedacht hatte und Felicias Idee war einfach perfekt gewesen. Manchmal suchte man einfach zu weit, das hatte sich einmal mehr bewiesen. Und es war doch umso besser, dass die Lösung von Felicia gekommen war. Pete hatte einige Male an sie gedacht, aber hatte dann doch einfach nicht gewusst, wie er ihr begegnen sollte. Sie war souverän, klug, elegant und schön und er war… na ja, Peter eben. Der schlaksige Nerd. Fehlte nur noch, dass er eine Brille hatte.

    «Und wie läuft’s bei euch?»

    Gesprächsthema, Gesprächsthema… Ja, klar, die Arbeit war unverfänglich, aber nun würde sie sagen ‘alles ok so weit’. Und dann? Was sagte er dann? ‘Cool.’ Ja, super. Das führte auf jeden Fall weiter. Aber sie zu fragen, wie es ihr ging, schien ziemlich persönlich. Er konnte natürlich auch rausfinden, was für Filme sie cool fand und sie dann ins Kino einladen. Beim Essen wäre es ja einfacher, TexMex hatte sie in der Kantine ja gemocht, oder? Oder doch nicht? Wenn er sich da ins Fettnäpfchen setzte, dann würde sie wahrscheinlich höflich lächeln aber ganz sicher nie mehr bei der U-Bahn-Station zu ihm rüberkommen und ihn ansprechen. Also, was jetzt?

    #60606

    Linda
    Keymaster

    Zweifeln war nicht das richtige Wort, dachte Laura, aber sie brauchte gar nicht weiter darüber nachzudenken, denn Winter enttäuschte sie nicht. Hier ging es offenbar nicht um ein Machtspiel, denn das wäre jetzt der Moment gewesen, an welchem er hätte Forderungen stellen müssen. Das allerdings tat er nicht. Stattdessen roch Laura den Anstieg von Stress bei ihrem Gast. Offenbar war diese Frage nicht gerade die Angenehmste, was sich gleich darauf bestätigte, als er unruhig aufstand und offenbar nicht einfach sitzend eine Antwort geben konnte. Stattdessen wanderte er durch den Raum, warf einen Blick nach draussen – und das wohl kaum wegen der schönen Aussicht auf die gegenüberliegende Fassade, sondern, wie Laura annahm, sichernd – und antwortete Stück für Stück. Seine Stimme hatte einen anderen Unterton bekommen, klang etwas gepresster. Zumindest für sie, welche als Hypersensorikerin viel mehr Untertöne wahrzunehmen vermochte als ein normaler Mensch. Für einen solchen würde es wohl so normal klingen, wie es nur irgendwie möglich war.

    Winter hatte also etwas mit Hydra zu tun gehabt. Ob das die Organisation gewesen war, welche hinter ihrer damaligen Zusammenarbeit gestanden hatte? Möglich war es, aber Laura legte es in ihren Gedanken bloss als Option ab. Es schien die naheliegendste Antwort zu sein, aber das machte sie noch lange nicht richtig.

    Es war Winters Unruhe, welche Laura dazu brachte, von der Wahrheit seiner Worte auszugehen. Zwar würde sie sich auf jeden Fall doppelt und dreifach absichern, wenn es darum ging, die Initiative zu ergreifen, aber sie spürte, dass sie dem Mann grundlegend glaubte. Also, was hatte er alles gesagt? Die Akte in der Hydra-Einrichtung, das bedeutete, es gab sie physisch und digital, denn niemand schrieb so etwas noch von Hand, diese Zeiten waren vorbei. Wenn es sie digital gab, war das sehr gefährlich, dazu brauchte sie jemanden, der aufzuräumen vermochte. Wieder dachte sie kurz an Julian. Ja, ja, sie würde wohl einfach Julian um Hilfe bitten. Er konnte immer noch nein sagen und über sie Bescheid wusste er sowieso, da war sich Laura sicher. Dieser verdammte Finnigan… Aber dann konnte er sich jetzt auch mal nützlich machen.

    Des Weiteren bestand natürlich das Risiko, dass, wenn Winter die Akte gesehen hatte, auch andere versehentlich darüber gestolpert waren. Andererseits bestand dieses Risiko eigentlich immer. Auch Nightingale wusste Bescheid über sie und auch da bestand immer die Möglichkeit, dass noch jemand informiert wurde.

    Schweigend blickte Laura Winter an. So, wie er gekleidet war, wirkte er harmlos und freundlich. Die Waffe war gut versteckt und nur für ihre Nase wahrzunehmen. Sehen konnte auch sie, der Vollprofi, diese nicht, denn das war auch er – ein Vollprofi. Einer, der gemeinsam mit einer Teenagerin ein Attentat verübt hatte, erfolgreich oder nicht. Und jetzt stand er hier, verkleidet, und bot ihr seine Hilfe an. Was für einen Werdegang hatte er durchlebt in der Zeit, in welcher sie sich freigekämpft hatte?

    «Mein Lebenszweck ist das Töten, wenn es nach meinen Herstellern geht.», erwiderte sie nun. «Aber das tut es nicht mehr. Ich habe mich dagegen entschieden.»

    Laura machte eine kurze Pause, denn sie wusste, dass Kimura sich nun in ihren Gedanken melden würde. Es war auch so. Du wirst das nicht durchhalten, Süsse. Entweder du tötest diese Hydra-Leute, oder du tötest bald viele andere. Leider.

    «Ich bin dir dankbar, wenn du mir alles erzählst, was du weisst. Vielleicht finde ich dann eine Lösung, welche nicht aus Mord besteht.»

    Glaub ich nicht., hörte sie gleich darauf in ihrem Kopf und leider musste sie Kimura zustimmen. Sie glaubte es auch nicht.

    #60604

    Linda
    Keymaster

    Es war schon sehr oft vorgekommen, dass jemand Steve gegenüber hehre Worte ausgesprochen hatte, Versprechen, alles zu tun, um die Welt besser zu machen. Und oft, sehr oft waren es genau das gewesen, Worte. Meistens folgten keine Taten und es war von Anfang an offensichtlich. Deswegen, weil es unbequem war und auch weil die Leute nicht zuletzt gar nicht wussten, was sie da sagten. Sie versprachen etwas und bemerkten dann, dass sie die Konsequenzen nicht tragen wollten. Trotzdem nahm Steve sie ernst, wieder und wieder, denn er wusste auch, dass dieser Wille, etwas zum Guten beizutragen, eine zarte Pflanze war, die er mit Skepsis leicht zertrampeln konnte. Manche hielten ihn für dumm, dass er nicht skeptisch war, denn natürlich wurde er auch entsprechend oft enttäuscht. Steve spielte sein Glauben in das Gute im Menschen nicht.

    Doch selbst wenn er diese ihn schützende Skepsis zugelassen hätte, gegenüber Kurts Worten wäre sie nicht zum Zug gekommen. Der junge Mann, der da vor ihm stand, zerschlagen und misshandelt, zudem von einem Aussehen, welches ihn zu einem Aussenseiter machen musste, trug offenbar den notwendigen Mut in seinem Herzen. Wie sonst hätte er in diesem Augenblick eine solche Kraft in seine Worte legen können, welche auf die lange Pause folgten?

    Steve wollte etwas antworten, allerdings legte Kurt noch einen obendrauf und fragte, bei wem er sich stellen könne. Darauf hatte er zwar noch zurückkommen wollen, denn auch in seinen Augen war das die einzig sinnvolle Lösung für das Dilemma. War er gerade eben noch überzeugt gewesen, dass der junge Mann meinte, was er sagte, so beeindruckte dieser ihn jetzt mit seinem Mut.

    «Du bist ein mutiger Mann, Kurt.», kommentierte er anerkennend und richtete seine Gedanken dann auf die Frage. Ja, an wen konnte er sich wenden? Auf Anhieb fielen ihm zwei Leute ein. Einerseits Damian Gryphon, welcher nicht nur die Brotherhood jagte, sondern auch für den Kontakt zu den X-Men zuständig war. Und dann natürlich Agent Coulson, welcher in seiner Zeit bei SHIELD sein Handler gewesen war und von dem Cap wusste, dass er nicht nur ein fähiger Mann, sondern auch ihm gegenüber hoch loyal war. Vielleicht konnte er ja einfach beide ins Boot holen.

    «Ich kann dich Agent Gryphon vorstellen.», beantwortete er dann die eigentliche Frage. «Er und sein Team koordinieren die Jagd auf die Brotherhood. Und ausserdem ist er der Kontakt zu den X-Men, wobei es sehr für Scott spricht, dass du davon offenbar nichts weisst. Behalte es also besser für dich. Wenn Agent Gryphon deinen Fall übernimmt, können die Eagles kaum mehr etwas tun. Es kann natürlich sein, dass er entscheidet, dass er dir nicht ohne Beweise glaubt und du eine Weile in Verwahrung zu bleiben hast, bis die Wahrheit ans Licht kommt. Auch, um der Army keinen Grund zu geben, mit Nachdruck zu intervenieren. Auf jeden Fall ist er ein fairer und vor allem kein bösartiger Mann.»

    Eigentlich kannte Steve ihn persönlich nicht so gut, aber Katsuo schon. Und der wiederum war ein enger Freund geworden, dieser ehemalige Attentäter mit dem aufrichtigen, guten Herz. Wenn Katsuo auf Gryphon vertraute, dann war das ein guter Grund für Steve, es auch so zu halten.

    #60599

    Linda
    Keymaster

    Keine unbegründete Angst, wie Steve fand. Was die Leute wohl noch mit Kurt gemacht hätten, wenn er nicht geflohen wäre? Das war natürlich eine Entscheidung gewesen, die viel Gefahr mit sich gebracht hatte, aber er war trotzdem weit davon entfernt zu behaupten, der junge Mann hätte einen Fehler gemacht. Aber das war gerade nur begrenzt das Thema. Sicher, es würde es wohl auch noch werden, aber erst einmal galt es, etwas Mut und Zuversicht in die dunkle Gestalt zu flössen, denn aus der aktuellen Angst war keine Kraft zum Positiven zu gewinnen.

    «Vor einiger Zeit bin ich per Zufall dazu gekommen, wie eine Terroristin in einer Kirche nach einem Mann gesucht hat. Sie hat versucht, den Menschen durch Drohung und Gewalt so viel Angst einzujagen, bis sie willfährige Masse ihres Willens geworden sind. Ich konnte sie verjagen, aber trotzdem waren die Menschen verängstigt. Sie fragten mich, ob sie ihre Gemeinschaft aufgeben müssten und ob es nicht kluger wäre, einfach fortzugehen. Und ich habe ihnen das gesagt, was ich jetzt auch dir sage.»

    Auch jetzt lächelte Steve nicht. In seinen blauen Augen stand eine gewisse Traurigkeit, aber auch sein unerschütterlicher Wille, nicht nachzugeben. Er würde nicht weichen, mochte auch kommen, was wollte. Niemand würde ihn dazu bringen, die Waffen zu strecken und schreckliche Dinge geschehen zu lassen.

    «Was du erlebt hast, Kurt, ist Terror. Er zielt nicht auf Gerechtigkeit ab, sondern auf Angst. Du kannst dazwischen wählen, ob du ein Werkzeug jener Terroristen werden willst oder ob du dich dagegen entscheidest. Aber weder das eine noch das andere wird dich vor weiterem Leid schützen. Doch ich verspreche dir, dass jene, welche sich gegen das Unrecht stellen und klar und laut dagegen eintreten, nicht nur den Menschen Hoffnung machen – sondern auch immer Männer und Frauen finden, die ihnen zur Seite stehen.»

    Für Steve war es immer so gewesen. Kurt wäre nicht der erste und nicht der letzte, der sich selbst ermächtigte, etwas zu tun und kein Opfer zu bleiben. Und er wäre auch nicht der erste noch der letzte, welcher darin Steves vollste Unterstützung fand, egal ob mit Rat oder Tat oder nur schweigender Zustimmung, ganz so, wie es eben nötig und erwünscht war. Er drängte sich niemandem auf, doch bot jedem die Hand, der für die rechte Sache kämpfte.

    • Diese Antwort wurde vor vor 5 years, 4 months von Linda bearbeitet.
    #60593

    Linda
    Keymaster

    Warum… Nick blickte die elegante Frau auf seinem einzelnen Auge an und fragte sich, ob es nicht offensichtlich war, warum er hier war. Beziehungsweise, für IHN war es offensichtlich, nach allem, was er gesagt hatte. Allerdings sollte er es langsam wissen, dass das, was sich für ihn aus Einzelteilen problemlos zu einem komplexen Bild zusammensetzte, für andere nicht immer ganz so klar war.

    Tatsächlich stufte er den Anschlag auf Van Dyne als Tat eines Extremisten ein, welcher sich gegen die Forschung an einem Mittel gegen das X-Genom einsetzte. Den Zusammenhang zur Entführung von Hank Pym schien ihm da zu weit hergeholt zu sein. Dessen Verschwinden in Kombination auf den völlig irren Anschlag konnte er schon eher nachvollziehen, auch wenn es da noch keinen konkreten Hinweis im eigentlichen Sinne gab. Warum sollte jemand so lange warten? Gut, vielleicht, weil er oder sie noch Zeit gebraucht hatte, das fehlende Stück zu ermitteln. Wobei, das wiederum war nicht möglich, denn Pym Technologies selbst war zum Zeitpunkt der Entführung ja noch längst nicht an dem Punkt gewesen, an welchem sie dieses Stück hätten brauchen können. Nein, nein, wenn es einen Zusammenhang gab, war er anders.

    Erst einmal musste er allerdings Van Dyne eine Antwort geben, welche dieser den Boden gab, auf welchem sie zusammenarbeiten konnten. Nick wäre gerne einfach inhaltlich weitergegangen, aber das führte zu nichts. Er brauchte Van Dyne, wenn er die notwendige Sicherheit für die Bevölkerung schaffen wollte.

    «SHIELD, Miss Van Dyne, ist dazu da, die Menschen gegen Bedrohungen zu schützen, welche die Möglichkeiten eines normalen Staatsapparates übersteigen. Eine wahrscheinliche KI, welche zwei der weltbesten Hacker mit einem Fingerschnipsen ausbootet, ist eine solche Bedrohung.», begann er dann. «Und nein, ich werde niemanden zu Ihrem persönlichen Schutz schicken, weil wir im Moment nichts haben, was gegen diesen Angreifer hilft.»

    «Was Ihren Vater betrifft, so weiss ich nicht, wo er ist. Allerdings sehe ich auch keinen direkten Zusammenhang zu der Katastrophe in Ihrem Labor, ausser Sie sagen mir, dass es in dem Zeitraum dieses guten halben Jahres etwas gab, das er gewusst haben könnte und das schlussendlich in dem Anschlag gipfelte. Soweit ich die Forschungsberichte gelesen habe, war das aber nicht der Fall.»

    Nicht, dass diese den letzten Kenntnisstand zeigten, denn jeder fälschte seine Sachen. Normalerweise war er allerdings ganz gut darin, zwischen den Zeilen zu lesen.

    #60592

    Linda
    Keymaster

    «Alex ist aktuell, ja.», antwortete Laura zuerst auf den einfachsten Teil. Winter legte ihr die Situation klar und mit einer gewissen Gnadenlosigkeit dar. Sechs Leute, vielleicht sogar weniger, welche wussten, worum es ging. Alle anderen Befehlsempfänger, zumindest mit grosser Wahrscheinlichkeit. Das würde sie natürlich prüfen müssen, aber das an sich war ja nicht so das Problem. Die Datenträger der Leute würden die grösste Gefahr darstellen. Datenträger… eigentlich wäre da der immer gejagte Finnigan der perfekte Mann dafür. Er wusste ohnehin über sie Bescheid und Julian hatte ihr gesagt, dass er sie unterstützen würde. Also warum nicht diesen kontaktieren und dafür sorgen, dass sie im richtigen Augenblick die Fähigkeiten eines hervorragenden Hackers auf ihrer Seite hatte? Eine kurze Welle des Schuldgefühls überkam sie, als der nächste Gedanke natürlich zu Senator O’Neil glitt, aber dem würde das ja auch nützen, nicht schaden.

    Es blieb allerdings das Problem, dass dieses Vorgehen natürlich den Tod dieser informierten Gruppe erforderte. Am besten wäre ein Unfall geeignet, damit niemand kritische Fragen stellte. Wenn die Leute ermordet wurden, dann würde man fragen, warum. Starben sie wegen Pechs… dann sah die Sache schon anders aus. Ein Helikopterabsturz. Ein untergegangenes Auto mit defektem Schliesssystem im Hudson River. Aber es blieben Tote. Aber was war denn die Alternative? Man würde versuchen, sie aufzugreifen und musste sie sich wehren. Oder kapitulieren, worauf es aber sehr schnell viel mehr Morde auf ihrem Konto haben würde.

    Es blieb ausserdem noch die Tatsache, dass Winter vielleicht log und sie zu benutzen versuchte. Er war Profi und auch wenn sie sich aufgrund ihrer Wahrnehmung eigentlich ziemlich sicher war, dass er ihr ehrlich gegenübertrat, konnte es durchaus sein, dass er sie täuschte. Und selbst wenn nicht, warum sagte er ihr das überhaupt? Was steckte dahinter, dass er hier sass? Er hatte damit rechnen müssen, dass sie ihren unerwünschten Besuch einfach abstach und er war einer der wenigen, die wussten, dass auch ein hochformatiger Kämpfer wie er dagegen nicht gefeit war. Ihre Klauen zerschnitten den härtesten Stahl und ihr Körper regenerierte schneller, als andere ‘Autsch’ sagen konnten.

    «Warum sagst du mir das alles? Was versprichst du dir davon?», fragte sie nun. Ihr Tonfall war nach wie vor konzentriert, ohne misstrauisch oder sogar ablehnend zu klingen. Nein, Laura war nicht auf Provokation aus, sondern wollte die Sache so gut beleuchten, wie es möglich war, auch wenn sie hoffte, dass er sich jetzt auf die Äste eines Lügenkonstrukts hinausliess, welches deutlich machte, dass er log. Eine komplette Lüge seinerseits wäre mit Abstand der einfachste Ausweg gewesen, aber Laura glaubte nicht so recht daran. Es war nie so einfach.

    #60591

    Linda
    Keymaster

    Irgendetwas an diesem ‘Beide halten die Schnauze’ hatte der feine Oberweltler wohl nicht verstanden, dachte Marrow, und verzichtete auf eine Antwort. Was für eine Sicherheit wollte er denn noch, ausser, dass er ja natürlich ihr Geheimnis ausplaudern konnte, wenn sie über seines sprach? Und wo lag genau das Problem? Offenbar funktionierten seine Kräfte bei den meisten, eine so grosse Katastrophe war es also gar nicht, wenn jemand einzelnes dagegen immun war. Auf jeden Fall verdrehte sie nur die Augen und liess dem Älteren den Vortritt nach oben, um dann erst nach einer kurzen Verzögerung wieder zu ihm zu stossen. Sie nutzte die Zeit, um ihr Gesicht zu waschen. Das verklebte Blut juckte.

    Als sie wieder oben war, versuchte es ihr ‘Gesprächspartner’ auf die selbe Weise noch einmal und forderte viel zu geradlinig eine Antwort. Eine, welche entweder gelogen oder wahr sein musste und die keinen Raum dafür liess, zwischen den Zeilen zu lesen. Offenbar war der Kerl es wirklich gewohnt, dass man ihm antworten musste. So etwas wie Gesprächsstrategie schien ihm fremd zu sein. Marrow schwieg einige Augenblicke und liess ihren Blick durch die Halle schweifen. Bei den Sesseln sass in der Zwischenzeit die Pride, zumindest einige Mitglieder davon, aber sie spielten irgendein albernes Spiel und schenkten ihnen keine Aufmerksamkeit.

    Wie war das vorhin gleich noch gewesen? Sie hatte gesagt, dass es ihn nichts anginge und wissen wollen, warum er das fragte. Und daraufhin hatte er wiederum geantwortet, dass er keine Konkurrenz dulden würde. Was glaubte er wohl, wer sie war? Was sie war? Auf jeden Fall schätzte er ihre Wichtigkeit offenbar so ein, dass sie ihm gefährlich werden konnte. Unter diesem Gesichtspunkt war es natürlich doppelt hart, dass seine Kräfte auf sie keine Auswirkungen hatten, warum auch immer das so war.

    «Ich tue, was Magneto und Mystique sagen.», erwiderte sie nun. «Sie wären unzufrieden, würde ich dir mehr sagen.»

    Was durchaus der Wahrheit entsprach, immerhin gab es Gründe, warum der alte Mannn und seine rechte Hand mal diesem, mal jenem Mitglied einen Auftrag gaben. Ganz bestimmt war es nicht ihre Absicht, dass sie nachher fröhliches Auftragsinformationsaustauschen spielten, das konnte Marrow sich beim besten Willen nicht vorstellen.

    «Was befürchtest du denn, das ich tun könnte?»

    Das fand sie in der Tat interessant. Letztendlich stand es niemandem zu, solche Fragen zu stellen, der nicht von Magneto selbst dazu abkommandiert war, die Sicherheit zu kontrollieren. Vielleicht würde es sich ja auch lohnen, die Augen und Ohren gerade weit aufzumachen und sich damit zu profilieren.

    #60583

    Linda
    Keymaster

    Damit hatte er recht. Sie wollte das hier nicht aufgeben. Nicht das Leben von Alex, das war nicht so relevant, aber das Leben als Mensch, das wollte sie behalten. Das Leben als fühlendes Wesen, das mehr war als nur eine Waffe, mehr als ein Gegenstand, den man nach Gebrauch sorgfältig reinigte und dann wieder in die Kiste packte, um ihn später wieder hervorzuholen. Das machte zwar Flucht durchaus zu einem gangbaren Weg, aber leider war es eine Tatsache, dass jemand, der sie einmal gefunden hatte, auch wiederfinden würde. Ausser, sie versteckte sich aktiv und DAS wiederum verhinderte das Leben als Mensch. Kurz dachte Laura an Tom, den jungen Morlock, der sich in sie verliebt hatte. Hätte sie das doch bloss damals schon verstanden.

    Dagegen stand die Offensive, die der Winter Soldier hier vorschlug. Das ging natürlich. Sie konnte alle ausschalten, welche über sie Bescheid wussten, aber das bedeutete, dass sie töten musste. Nur tote Menschen redeten nicht mehr. Ihr ‘Gast’ sprach von Fraktionen, die offenbar mehr schlecht als recht miteinander kommunizierten, wenn er es für sinnvoll hielt, einfach nur die betroffene auszuschalten.

    Eigentlich war es nicht überraschend. Vielmehr war es schon lang an der Zeit, dass sie irgendjemandem auffiel. Leider hatte die Zeit nicht gereicht, um ihre Konditionierung bezüglich des Triggerstoffs zu brechen, egal, wie hart sie und die Wissenschaftler bei der Brotherhood daran gearbeitet hatten. War das nun der Moment, in welchem sie ihren Vorsatz brechen musste? Wenn irgendeine Terrorgruppe hinter dieses Geheimnis kam und sie einsetzte, dann war sie wieder wie früher Wachs in den Händen ihrer Besitzer. Laura strich sich beiläufig einen Wassertropfen, der sich an der Schläfe aus dem Haar gelöst hatte, beiseite.

    «Von wie vielen Leuten sprechen wir denn?», wollte sie als nächstes Wissen. Bisher hatte der Winter Soldier nicht signalisiert, dass er ihre Fragen nicht beantworten wollte, ganz im Gegenteil, also konnte sie genauso gut einfach weiterfragen. Natürlich würde sie auch noch wissen wollen, woher er überhaupt Bescheid wusste.

    «Und, hm… kann man deinen Namen irgendwie abkürzen? Winter Soldier ist so ineffizient lang.»

    Sie grinste etwas schief, was den kalten Ernst aus ihrem eigentlich hübschen Gesicht wischte und die Mordmaschine in eine junge Frau verwandelte, die vielleicht doch mehr konnte also nur zu kämpfen und zu töten.

    #60580

    Linda
    Keymaster

    Ausgerechnet, dachte Steve. Das machte die Sache nicht gerade besser. Spitze Ohren, grüne Augen, Teleporterin. Das war die Frau, welche den Zug auf den JFK geworfen hatte. Ein Attentat, bei dem es Dutzende von Toten und hunderte Verletzte gegeben hatte. Und ausgerechnet diese Frau schien den jungen Mann aus dem Gefängnis befreit zu haben. Wenn die Geschichte ansonsten stimmte – und sie war stringent genug, dass Steve sich das vorstellen konnte – dann war das ein riesiges, gewaltiges Problem für Kurt, ganz egal, mit welchen Absichten er in der Stadt gewesen war. Gerade hatte er doch noch erzählt, dass er in Sippenhaft genommen wurde, was ja letztlich bedeutete, dass man ihn der Brotherhood zurechnete. Und nun wurde er von einem bekannten Mitglied dieser Terrororganisation befreit? Das passte leider für die Ermittlungen gegen ihn wie die Faust aufs Auge und die Chance, dass man ihn nun noch glaubte, waren deutlich gesunken.

    Allerdings kam es wohl auch zwei Minuten auch nicht mehr an, denn die Worte, mit denen der so gebeutelte Junge schloss, wollte Steve nicht so stehen lassen. Sie sprachen von Hoffnungslosigkeit und Desillusionierung. Genau das waren die Dinge, welche Menschen zu schrecklichen Dingen trieben, denn auf Hoffnungslosigkeit folgte üblicherweise Verzweiflung. Verzweifelte waren zu allem fähig, um ihrer Situation auch nur scheinbar zu entkommen.

    «Du steckst in der Tat ganz schön in der Klemme.», bestätigte er. «Aber zumindest ich für meinen Teil kenne weit mehr Menschen, welche die Taten dir gegenüber verurteilen würden als andersherum.»

    Er lächelte nicht, denn es war zu ernst und er wollte auch nicht, dass irgendetwas von dem, was er sagte, als Scherz herüberkam. Kurt hatte Gewalt erlebt und auch wenn er als Mutant grosse Fähigkeiten haben mochte, so war er doch auch einfach ein Mensch. Und Menschen reagierten auf Gefahr und Gewalt nie einfach locker flockig, es sei denn, sie hatten schon viel zu viel davon erlebt und stumpften dagegen ab.

    «Leider erfordert es viel mehr Entschlossenheit und ein dickeres Fell, die Welt zu einem besseren Platz zu machen als einfach in der Masse der Anonymität mitzuschwimmen. Lass dich nicht von einzelnen Verbrechern entmutigen, ganz egal, ob sie eine Uniform tragen oder nicht.»

    Denn nichts anderes waren solche Leute in seinen Augen, die ihre Macht derart missbrauchten und Angst verbreiteten. Das stand niemandem zu, egal, welche scheinbare Legitimation sie auch haben mochten.

    #60578

    Linda
    Keymaster

    Schön, dass es dir besser geht. 🙂

    #60573

    Linda
    Keymaster

    Ein Teil von Seth wollte zynisch lachen. Kinder Gottes. Sie waren keine Kinder Gottes, sie waren eine Horde wilder Tiere, welche sich gegenseitig totbissen ohne zu wissen, wozu. Nein, sie waren nicht einmal das, denn Tiere hatten üblicherweise einen sehr guten Grund für ihr Handeln, wenn man sie irreführte. Allerdings war es genau das. Die Menschen waren allesamt irregeführt, von dem her war der Vergleich schon gar nicht schlecht. Gott, so dachte Seth zynisch, hatte da wohl bestenfalls insofern etwas damit zu tun, dass er seine menschlichen Kinder mit der Eigenschaft des Machthungers und der Mitleidlosigkeit geschaffen hatte. Das hätte er besser mal gelassen, dann würden sie jetzt nicht so tief in der Scheisse stecken.

    „Vielleicht schon, aber mir reicht ehrlich gesagt die Angst vor den Mutanten, ich brauche keinen parallelen Glaubenskrieg obendrein.“, brummte Seth zynisch. Gott war meist der Grund für Kriege, nicht für Frieden. Wenn jetzt noch die Katholiken damit begannen, die Protestanten abzustechen, die Christen die Muslime und die Daoisten die Buddhisten dann wurde es wirklich nicht gerade besser. Darauf konnte er gut und gern verzichten. Allerdings würden dann Mutanten vielleicht plötzlich hoch geachtet, weil sie machtvolle Positionen einnehmen konnten… Eine brutale Idee, aber vielleicht eine gar nicht so schlechte. Es müsste bloss ein Feind kommen, der grösser und mächtiger war als die verstreuten Menschen mit Superkräften. Wo waren eigentlich die Aliens, wenn man sie mal brauchte?

    Er löste die Gedanken wieder von dieser Idee, die ihn selbst eher erschreckte als zufriedenstellte. Es wäre grosses, umfassendes Leid notwendig, damit die Leute vergassen, dass es Unterschiede zwischen ihnen gab und dass sie sich erst gerade noch gegenseitig umgebracht hatten. Ganz abgesehen davon wusste er genau, dass Noah seinen Zynismus nicht verdient hatte. Der alte Mann stand fest entschlossen auf seinen zwei Füssen und wusste, wofür er sich einsetzte. Und dass er als Priester ein Bild von Gott in sich trug, das Frieden und Harmonie versprach, zeichnete ihn aus. Seth widmete er sich wieder dem eigentlichen Thema.

    „Auf jeden Fall… noch besser wäre, wenn wir herausfinden, dass die Army Menschen, die nur vielleicht Mutanten sind, zu Experimenten hergezogen haben. Wenn wir eine Atmosphäre schaffen können, welche von Unsicherheit geprägt ist, dann müssen sich normale Soldaten fürchten und die ganze Geschichte hinterfragen, weil sie ja selber in den Fokus geraten könnten. Jeder Mann und jede Frau, die etwas besonders gut können, könnten dann plötzlich Mutanten sein.“

    Notfalls konnten sie solche Fälle ja einfach erfinden. Seth hatte da kein schlechtes Gewissen. Wobei, das konnte natürlich auch nach hinten losgehen, falls jemand herausfand, dass es gelogen war. Damit würde dann alles angezweifelt werden. Nein, dachte er also gleich darauf, das war keine gute Idee. Sie brauchten echte Daten – und wahrscheinlich hatten sie die schon, immerhin hatten er und Julian im Auftrag von Magnet explizit über Guantanamo und andere Lager geforscht. Da mussten sie nur die Namenslisten abgehen und sie mit den Army-Personallisten vergleichen. Bei Übereinstimmungen war der Rest dann ein Kinderspiel.

    #60565

    Linda
    Keymaster

    Von draussen war das gedämpfte Kreischen einer Autoalarmanlage zu hören, doch nur kurz. Leises Gelächter, nur für die Ohren des Klons hörbar, folgte. Wahrscheinlich war sie versehentlich ausgelöst worden und hatte jemanden ganz schön erschreckt. Laura schenkte der Sache keine Aufmerksamkeit, sondern konzentrierte sich auf das, was ihr ‚Gast’ gesagt hatte.

    Das konnte sie nun wirklich überhaupt nicht gebrauchen, dachte Laura, während sie sich überlegte, was für einen Tarnnamen sie getragen hatte, als sie mit dem Winter Soldier in Latveria gewesen war. Helen? Oder war es Joe gewesen, von Josephine? Ja, Joe. Ihren richtigen Namen, Laura, hatte nie jemand erfahren, der nicht direkt Teil der Anlage gewesen war. Die meisten hatten sie ohnehin nur X23 genannt. Die Namenssammlung wurde immer grösser. Im Moment war sie hauptsächlich Alex, für Magnete Ellen, für Summers Pamela, für Julian Sophie… Nun, da kam es auf Joe auch nicht mehr an.

    Sie liess sich in den etwas knarzenden Sessel fallen und streckte die Beine, als ob ihr die Füsse weh getan hätten von einem langen Tag im Stehen. Natürlich war das nicht der Fall. Ihr tat nichts weh. Der Blick ihrer grünbraunen Augen lag auf dem Winter Soldier, der ihr so nonchalant derlei Informationen hinwarf. So, Hydra wollte etwas von ihr. Naheliegend, so rein grundsätzlich, wobei die Frage war, wie die sie gefunden hatten. Andererseits war sie seit der Sache in Syracuse einfach nicht mehr unsichtbar. Wahrscheinlich war es eine Frage der Zeit, bis sie ihr aktuelles, sehr schönes Leben wieder aufgeben und untertauchen musste. In der letzten Zeit gab es etwas viele Erschütterungen, welche sie nicht zuletzt an sich selbst zweifeln liessen.

    Woher Winter – so hatte sie ihn während der Mission genannt – wohl wusste, dass Hydra sie haben wollte? Dass er log, glaubte sie nicht, denn weder hörte er sich in den feinen, für den Menschen unhörbaren Untertönen so an noch roch er nach Stress. Hatte er mit diesen Leuten zu tun? Durchaus denkbar, vor allem, da sie so wenig über ihn wusste wie er wohl über sie.

    „Wie zuverlässig und vor allem wie aktuell ist diese Information?“, wollte sie konzentriert wissen. Je nachdem musste sie schneller denken oder konnte sich ein wenig Zeit lassen. Die Folgen dieser Sache konnten natürlich umfangreich sein, aber auch genau so gut zu gar nichts führen.

    Laura strich sich ihr halblang geschnittenes, nasses Haar nach hinten und liess es über die Sessellehne hängen, damit ihre Kleidung am Kragen nicht noch nasser wurde, als sie es ohnehin schon war. Alles in allem wirkte sie völlig normal, sah man von der Tatsache einmal ab, dass der Blick ihrer Augen kühl und berechnend war. Nichts an ihr sprach von Angst. Der Klon war ein Ausdruck von Konzentration und Beherrschung, denn dass in Gefahrensituation Panik zu nichts, aber auch gar nichts führte, hatte sie von Kindesbeinen an gelernt.

    #60564

    Linda
    Keymaster

    Für einen Moment wanderten Nicks Augenbrauen ein wenig nach oben. Warum er wissen wollte, wer ihre Feinde waren? Hatten sie nicht gerade von dem grässlichen Anschlag gesprochen? Davon, ob es Rückschlüsse darauf gab, wer dahintersteckte? Schweigend blickte der alte Wolf die Wissenschaftlerin an und fragte sich, was für ein Spiel sie gerade zu spielen glaubte. Oder ob sie einfach nur heillos überfordert war und sich in die Ecke getrieben fühlte. Das war nun ein sehr schneller Wechsel von Kooperation zu Ablehnung gewesen.

    „Weil, Miss van Dyne, wir gerade darüber sprechen, wer hinter dem Anschlag auf Ihr Labor stecken könnte, der in der Lage ist, eine KI herzustellen, gegen welche unsere besten IT-Spezialisten nicht ankommen.“, erwiderte er trocken. „Zumindest mir scheint es nicht ganz an den Haaren herbeigezogen zu sein, dass das nur der Auftakt für sehr grosse Schwierigkeiten in Ihrer Firma sein könnte.“

    Und er konnte ihr helfen, zumindest konnte er es versuchen. Nick hatte kein Interesse daran, dass sich so ein Anschlag wiederholte. Es gab gerade viel zu viele Leute, welche dachten, mit Anschlägen ans Ziel zu kommen. Natürlich war auch schon einer, der diese Strategie verfolgte, schon einer zu viel, aber im Moment? Die Brotherhood, die niemals schlafende Hydra, dieser Irre mit der KI… Was würde da wohl noch kommen? Viel, befürchtete er. Sehr viel.

    „Aber wenn Sie meine Unterstützung nicht möchten, können Sie die Information betreffend der KI gerne als Geschenk betrachten und ich investiere meine Zeit anderswo.“, bot er indirekt an, wieder zu gehen. Ihm sollte es recht sein. Zwar arbeitete er lieber mit Leuten zusammen und nutzte Synergien, die hier zweifellos vorhanden waren, aber gegen Widerstand lohnte sich das nicht wirklich.

    #60554

    Linda
    Keymaster

    Das Schulterzucken wirkte gefühllos. Eigentlich war es egal, wo Magneto anfing. Er musste sich ja auch nicht auf eine Person beschränken. Mit jedem Menschen, den er tötete, würde er Seth mehr reizen und mehr zum Gegenschlag antreiben. Am Einfachsten wäre natürlich Julian, aber das kam überhaupt nicht in Frage. Und am Zweiten…

    «Seine Freundin. Shen. Du kennst sie ja. Sie war hier. Die Teleporterin. Du musst sie ja nicht fangen, nur töten. Seth’ letzte Freundin wurde auch ermordet. Er wird es kein zweites Mal aushalten.»

    Marrow dachte kurz an die Trauerzeremonie, welche in Noahs Kirche stattgefunden hatte. Sicherlich hatte es damals auch schon eine gegeben gehabt, aber Seth war verletzt gewesen und hatte darum wohl nicht teilnehmen können. Die genauen Umstände kannte Marrow nicht. Sie wusste überhaupt nur davon, weil Julian einmal Seth’ Niedergeschlagenheit damit erklärt hatte, dass er mit irgendetwas aus der Zeit mit jener Sandrina konfrontiert worden war. Natürlich hatte sei nicht genauer nachgefragt, denn es war sie nichts angegangen.

    Dann glitten ihre Gedanken weiter zu Shen, dieser freundlichen, kleinen Frau. Es war leicht, sie zu mögen, und auch Marrow hatte nichts gegen sie, aber sie war nicht so wichtig wie ihr Erfolg hier. Sie musste Magneto beweisen, dass sie es ernst meinte. Sie musste es irgendwie schaffen. Und Julian musste sie beschützten. Nein, verdammt, das musste sie nicht, eigentlich hätte sie einfach ihn vorschlagen sollen. Er wäre der beste Tote gewesen, der, welcher Seth sofort den Todesstoss versetzt hätte. Und warum sollte sie das nicht tun? Er hatte sie doch im Stich gelassen, nachdem ihre Familie massakriert worden war. Es wäre nur fair, wenn sie jetzt ihn im Stich lassen würde. Doch sie schwieg.

    «Aber wenn du sie nicht finden kannst, dann gibt es andere, die er schätzt. Nightingale. Katsuo. Cyclops. Es gibt ein chinesisches Restaurant, in dem er gute Freunde hat. Er hatte Schüler, die man ausfindig machen könnte. Aber ich würde es mit Shen versuchen. Dann wird weiteres Jagen unnötig. Dann kommt er zu dir.»

    Ja, sie wäre die beste, das merkte Marrow noch während sie die anderen Namen aufgezählt hatte. Carrie, vielleicht. Die kam immer wieder vor und für sie hatte Seth auch schon Dinge riskiert, aber sein Kreis war nur noch klein.

    «Oder natürlich seine Familie. Ich weiss aber nicht, wo die zu finden ist. Er hat sie versteckt.»

    Und dann wäre da noch Noah gewesen und die Menschen in der Kirche, aber das vorzuschlagen fand keinen Bestand in Marrows kalten Gedanken. War Noah nicht der letzte, der allerletzte, der wirklich zu ihr hielt? Der sie immer mit offenen Armen empfing und nie, niemals, verraten hatte? Nein, dachte Marrow, bevor sie Noah opferte, würde sie Julian… Für einen Augenblick schloss sie krampfhaft die Augen und ballte die Hände zu Fäusten, als das Chaos in ihrem Inneren emporschlug und am Liebsten hätte sie sich einfach fallen gelassen, sich zu einer Kugel zusammengerollt und ihren schmerz hinausgeschrien, aber sie tat es nicht. Stattdessen blieb sie auf ihren Füssen und hob den Blick zu Magnetos Gesicht.

    «Du kannst mich umbringen. Das geht sicher auch.», fügte sie dann an und fand den Gedanken äusserst ansprechend.

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