Der April 2015 ist geprägt von Festnahmen und Durchsuchungsbefehlen. Neben den X-Men ist auch Steve Rogers in Visier des Staats geraten. Nachts traut sich kaum mehr jemand auf die Straßen, nachdem straffällige Mutanten aus Guantanamo-Bay befreit wurden.
Captain America war nicht umsonst ein Nationalheld. Alles an ihm wirkte heldenhaft. Dazu kam, dass der Mann äußerst weise war. Irgendwie fand er in jeder Situation die richtigen Worte. Kein Wunder wenn man bedachte, wie viel Lebenserfahrung Steve in seinem langen Leben schon gesammelt hatte. Er hatte wahrlich in die tiefen der menschlichen Abgründe geblickt und sicher schon so gut wie alles gesehen. Und stets blieb er tapfer, loyal, gerecht und treu. Wählte den richtigen Weg unabhängig davon, was die Gesellschaft um ihn herum vielleicht negatives antrieb. Und nicht umsonst war er ein großes Idol von Nightcrawler, denn der gläubige Mutant war in seinem ganzen Leben bemüht stets einen solchen gerechten und friedlichen Weg zu gehen. Sicher: In seinem harten Leben stand er schon häufiger vor Entscheidungen, auf die er nicht stolz war. Die er treffen musste, um selbst zu überleben. Für die er beichten musste und für die er ein noch besserer MenschMutant sein musste, um sein Gewissen auszugleichen. Aber er gab sich mühe. Jeden Tag.
Er klebte geradezu an Rogers Lippen. Die Traurigkeit in den Augen des Captains übertrug sich auch auf den mitfühlenden Kurt. Nightcrawler war sichtlich gerührt und konnte auch nicht verhindern, dass ihm still eine einsame Träne die Wange herab lief. Einen Moment schwieg der indigofarbene Mutant, um die Worte des Captains auf sich wirken zu lassen. Darüber nachzudenken, zu verstehen, sich einzuprägen. „Ich danke Ihnen, Sir.“, meinte er nach einem ausgedehnten Moment des Schweigens und blickte mit seinen gelblichen Augen wieder in die blauen des Captains. Schmerz und Traurigkeit stand in diesen immer noch deutlich geschrieben. Dennoch nickte Kurt plötzlich entschlossen. „Niemals werde ich den gerechten Pfad verlassen.“, versprach er nun seinem Helden. „Und schon gar nicht werde ich ein Werkzeug von Terroristen werden … so … wie mein biologischer Vater es offenbar ist.“. – Und seine Mutter wohl auch, wenn so stimmte was er hörte. Verdammt, man konnte wirklich nur hoffen, dass Kriminalität rein soziologisch entstand und nicht irgendwo in den Genen verankert war. Von denen hatte er wohl einige abbekommen wenn man bedachte, dass sein Äußeres ein wenig seinem Dad ähnelte und er sogar die selbe Fähigkeit besaß. Und das Blau kam wohl von seiner Mutter, soweit er hörte.
„Ich will auch weiter den Menschen helfen und allen, die ungerecht behandelt werden.“, fügte er dann noch hinzu. „Ich will nicht, dass irgend jemand da draußen ähnliches erfahren musste wie ich in meinem Leben. Wenn ich da meinen kleinen Teil dazu beitragen kann ein Leid zu lindern, dann … will ich es nicht unversucht lassen.“. Er nickte wieder. „Außerdem wenn man schon aussieht wie ein Dämon, dann muss man doppelt auf sein Seelenheil achten glaube ich.“, scherzte er noch ein wenig selbstironisch, aber zu einem üblichen Kurt’schen Grinsen oder Schmunzeln reichte es noch nicht. Der Mutant blickte weiter ziemlich ernst. Ein bisschen Wahrheit steckte schließlich auch in diesem Scherz. Und ein Einblick in die Ängste, die der Teleporter sein ganzes Leben lang mit sich herumgetragen hatte.
Er atmete kurz durch und blickte den Captain nachdenklich an. Offenbar überlegte er, ob er ihn – der sicher noch vieles mehr und wichtigeres zu tun hatte – weiter aufhalten sollte und durfte oder ob er ihn noch weiter mit seinen Problemen beschäftigen wollte. Eine Sache gab es da aber noch, bei der Kurt eben definitiv Hilfe brauchte. Nicht nur wegen sich selbst, sondern auch um seine Freunde hier am Institut vor Behördenwillkür zu schützen. Und vielleicht hatte Steve ja einen Kontakt, welcher Nightcrawler dabei helfen konnte.
„Ich hoffe es ist nicht unhöflich das zu fragen, aber … mh … kennen … kennen Sie vielleicht eine einflussreiche und vertrauenswürdige Person bei S.H.I.E.L.D. oder so, die naja …“. Wieder ein Seufzen. „Bei der ich mich stellen könnte und keine Angst haben muss getötet oder gefoltert zu werden in irgend einer unbekannten Einrichtung und mich erklären kann? Ich will wirklich das richtige tun und aktuell fühle ich mich wie ein Krimineller auf der Flucht, dabei hab‘ ich gar nichts unrechtes getan. Und ich will nicht die Schule hier mit reinziehen. Hier werden sie wohl als erstes suchen. Das könnte ich mir nie verzeihen.“. Er schüttelte leicht den Kopf. „Aber nicht mehr zu diesem Soaring Eagle. Die sind … die sind nur böse.“.
Captain America bestätigte, dass Nightcrawler ziemlich tief in der Klemme saß und dieser seufzte nur und nickte kräftig. Normalerweise tendierte er selbst in schier ausweglosen Situationen zu einem übermäßigen Optimismus. Nicht zuletzt sein tiefer Glaube gab ihm eigentlich immer Kraft und Hoffnung. Aber dieses Mal fand sogar der Wagner’sche Optimismus seine Grenze und er wusste selbst sehr gut, dass die Situation im Moment für ihn nicht wirklich rosig aussah. Und nicht nur für ihn: Er wusste, dass er in der aktuellen politischen Lage mitunter seine Freunde am Institut mit in die Sache hinein zog. Ob die Sache mit der Flucht eine gute Idee war? Er wurde immerhin nicht gut behandelt. Es war keine U-Haft im klassischen Sinne in der er erst einmal als das behandelt wurde was er war: Unschuldig, bis die Schuld bewiesen wäre. Die es nicht gab. Unter normalen Umständen hätte Kurt sicher nach kurzer Zeit wieder raus gedurft, aber der Soaring Eagle war nicht gerade fair. Und wenn es ums überleben ging, dann machte man manchmal unüberlegte Dinge. Aber sich doch jetzt wieder stellen? Nein, das würde alles nur noch schlimmer machen.
Kurt kam ein wenig näher. Man konnte schon fast sagen, dass er wie ein Schluck Wasser in der Kurve ein wenig hervortappste statt wirklich zu gehen. „Wirklich?“, fragte er Steve nach der Aussage, dass mehr Menschen das verurteilen würden was Kurt passierte als andersherum. Sicher, der Captain sagte nie die Unwahrheit, aber in dieser Sekunde fühlte es sich für Wagner einfach zu schön um wahr zu sein an. „Aber … aber wo sind die denn alle in letzter Zeit?“, fragte er betrübt klingend. „Man hört die Zustimmungswerte für einige der Hardliner da draußen und fühlt sich irgendwann total alleine. Und diejenigen die für Mutanten sprechen werden schnell mundtot gemacht oder angegriffen oder trauen sich dann doch nicht mehr eine andere Position zu vertreten.“. Er schob seine Hände in die Hosentaschen und blickte kurz auf den Boden.
Steve hatte es richtig erkannt: Kurt war zutiefst Verzweifelt. Noch natürlich weit davon entfernt sich zu radikalisieren. Vermutlich war das bei ihm ohnehin nicht möglich. Zu fest war sein Gewissen. Aber was aktuell etwas fehlte war seine Hoffnung. Denn abgestumpft war er nicht. Obwohl ihm schon wirklich sehr viele schlimme Dinge in seinem Leben passiert waren. Er hatte noch nicht diese berühmte ‚harte Schale‘ gebildet. Vieles drang direkt in sein Herz hervor und ließ ihm keine ruhige Minute mehr.
„Ich hoffe sehr, dass es noch Chancen gibt.“, meinte er dann und blickte den Captain wieder betrübt an. Er nickte leicht als dieser ihm riet, sich nicht entmutigen zu lassen. „Werd’s versuchen.“, versprach er kleinlaut. Kam dann aber wieder darauf zurück, dass er ziemlich in der Klemme steckte: „Momentan weiß ich aber echt nicht, was ich tun soll. Am meisten macht mir Sorgen, dass ich meine Freunde hier jetzt vielleicht auch gefährde und zum Ziel mache. Aber ich traue mich auch nicht jetzt zu sagen hey … das ist passiert und so war es. Ich würde wieder früher oder später in den Händen derer sein, die ihre Uniform zu unrecht tragen.“, trug er seine aktuellen Probleme und Gedanken vor. „Ich … i … ich weiß echt nicht, was sie noch mit mir gemacht hätten.“. Kurts Hände waren immer noch in seinen Taschen, aber sein Schwanz sprach auch Bände als dieser sich um Kurts rechtes Bein wickelte und der Teleporter gleichzeitig ein wenig seinen Kopf eingezogen hatte und geradezu ein wenig in sich zusammen sackte. Ein eindeutiges Zeichen, dass er gerade am liebsten irgendwo in einer Höhle versinken würde und sich hier so frei total unsicher und in Gefahr fühlte. Dieses Ereignis hatte zweifelsohne auch einige seiner alten Wunden ausgegraben und war vor allem in einen Bereich eingedrungen, der ihm bisher Sicherheit vermittelte: Selbst hier in der Umgebung des Xavier Instituts, welches Mutanten einen Platz gab, war er irgendwie doch nicht so sicher wie er hoffte. Und seine Freunde dann wohl auch nicht. Er machte sich mehr Sorgen denn je.
Steve hatte definitiv eine große Erfahrung mit Menschen und ein gutes Gespür für seinen Gegenüber. Seine Einschätzung war immerhin die absolut richtige. Sicherlich hätte Nightcrawler und auch viele andere von so einem Vorfall nicht direkt erzählt. Schon gar nicht vor einem so gesehen fremden. Held hin oder her. Doch Kurt platzte innerlich. Der Schmerz und der Schock saßen so tief, dass er ihn irgendwo hin abladen musste. Das es Gewalt gegen Mutanten gab und das auch die friedfertigen unter ihnen oft unfair behandelt wurden war Wagner immerhin sehr klar gewesen. Aber dies selbst zu durchleben und dann auch noch von so regierungsnahen Institutionen ließen sein Weltbild und seine Hoffnung so ziemlich zusammenbrechen. Gerade, dass er die Hoffnung verloren hatte war etwas, womit er noch nicht ganz klar kam.
Der junge Mutant nickte langsam als der Captain meinte, das würde ernst klingen. „Danke.“, sagte er ein wenig kleinlaut als der Captain ihm sein Mitgefühl ausdrückte. Die Blicke des Teleporters hafteten einen Moment schüchtern am Boden. Auch das hatte der Captain richtig erkannt: Mit dem Versuch des Scherzes wollte Kurt den Unsinn in dem er steckte irgendwie überspielen. Irgendwie doch die Türe zu seinem wahren inneren Zustand wieder ein Stück zuschieben. Aber er tat es nicht so geschickt, dass man ihm das abkaufte. Vor allem nicht, da eine laut davonfliegende Taube in einem nahegelegenen Baum dafür sorgte, dass Nightcrawler etwas zusammen zuckte und seinen Kopf sofort in die Richtung des Geräusches drehte. Er hatte das Gefühl, dass er jederzeit wieder geschnappt werden würde. Der Captain stellte, um das Problem auch weiter zu analysieren, eine sehr gute Frage.
Kurt blickte wieder zu seinem Idol auf und wirkte etwas traurig.
„Naja … also … es war vor 2 Tagen und das mit der Befreiung ist das nächste Problem.“, setzte er also an.
„Es war glaube ich eine Mutantin der Bruderschaft. Spitze Ohren, grüne Augen … ich glaube sie nannte sich Blink. Man kann durch ihre Portale durchsehen wenn sie sie öffnet was auf der anderen Seite ist.“, beschrieb er kurz. „Ich … ich weiß ich hätte das eigentlich … ich hätte nicht zustimmen dürfen das sie mich mitnimmt aber … ich … die hätten mich umgebracht. Ich hatte einfach angst und wollte einfach nur weg.“.
Seine Stimme brach ein paar Mal, auch wenn er merklich versuchte sein Leid herunterzuschlucken.
„Und jetzt bringe ich all meine Freunde hier auch in Gefahr, glaube ich.“, spracher seufzend aus. Typisch Kurt, dachte immer zuerst an andere. „Das hier ist mein zu Hause aber ich fürchte ich kann hier nicht bleiben wenn ich alle anderen schützen will. Ich weiß gerade echt nicht was …“, wieder ein Seufzen. Und eine Pause. „Sorry, ich glaube Sie haben noch viel anderes zu tun und ich quatsche sie hier voll.“, entschuldigte er sich dann ein wenig und kratzte sich nachdenklich am Kopf.
„Aber wissen sie was das traurigste an der Sache ist? Ich bin in den Schlamassel geraten weil ich in New York einfach nur ruhig unterwegs war um einer Feuerwache anzubieten, dass ich ihnen vielleicht helfen könnte wenn es darum geht Menschen aus einem brennenden Gebäude zu befreien. Ich kann nämlich auch teleportieren. Naja, wenn ich das Ziel sehe.“, erklärte er dann und nickte leicht. „Ich glaub aber das mit dem positive Zeichen setzen in der Gesellschaft ist schon zu spät. Die haben uns Mutanten echt ziemlich auf dem Kieker.“
Hey Lena!
Gute Besserung wünsche ich Dir! <3 Hoffe Du kommst schnell wieder auf die Höhe und hast keinen schlimmen Verlauf!
Da wir gerade eine Szene haben von mir zumindest mal ein: Gesundheit & RL geht immer vor, also erhol Dich erst einmal wieder und wenn Du wieder ganz Fit bist, dann machen wir weiter. 🙂
LG,
Chris
Von mir auch gute und schnelle Besserung! Ich hoffe mal Du hast einen dieser symptomfreien oder zumindest ganz ganz milden Verläufe und bist in paar Tagen wieder auf der Höhe. <3 Alle Liebe!
Auch Nightcrawler stimmte leicht in das Lächeln des Captains ein. Es freute den jungen Mutanten, dass sein Dank angekommen war und insbesondere auch, dass er diesen einmal an Steve Rogers höchstpersönlich übermitteln konnte. Als X-Men setzte man sich doch auch irgendwie für das Gute ein. Zumindest hoffte Kurt das. Einen Avenger zu treffen und dann auch noch einen, der sich für Mutanten aussprach, fühlte sich auf jeden Fall nach einer großen Ehre an.
„Sie können ruhig Du zu mir sagen, wenn Sie möchten.“, bot Kurt dann kurzerhand an. Sein üblicherweise offenes Wesen schimmerte durch sein Trauma ein wenig hindurch. Auch wenn er noch merklich ein wenig aufgeregt war, was natürlich ein wenig ‚Lampenfieber‘ war, ein so großes Idol hier zu treffen. Aber der Cap schien in Ordnung zu sein. Ganz so, wie man es erwartete. Es wirkte nicht so, als wolle der Mann schnell wieder verschwinden. Nein im Gegenteil, er schien das weitere Gespräch mit Kurt sogar am Laufen halten zu wollen und beobachtete scharf, dass seine Worte dem Teleporter wohl nichts gebracht hatten.
Kurts Gesichtsausdruck wurde wieder ein wenig ernster und kurz sah er an sich herab. Im wahrsten Sinne des Wortes zog er auch ein wenig seinen Schwanz näher an seinen Körper heran. Die Erinnerungen schmerzten verständlicherweise noch mehr als die Wunden, die er noch ertragen musste. Und schlimmer noch: Kurt war nicht aus dem Schneider. Ganz im Gegenteil sogar. Vielleicht brachte er sogar all seine Freunde hier in Gefahr? Immerhin wurde er befreit und nicht entlassen. Aber unter Aufsicht des Soaring Eagle hätte er vermutlich unter anderen Umständen nicht überlebt.
Kurt seufzte kurz. „Mh … schon okay, Sie können gerne fragen.“, meinte er zunächst und stellte dann wieder den Blickkontakt zum Captain her, sah ihn vielsagend an und nickte dann leicht angesichts seiner Mutmaßung. Und der Captain schätzte die Situation auch insgesamt absolut richtig ein. Mit einem ‚Buh‘ hätte Kurt vermutlich sofort vor Schreck wegteleportiert. Seine Nerven lagen noch blank. „Ich war die Tage einfach nur in New York City unterwegs, ganz alleine und ohne etwas unrechtes zu tun, da griff mich eine Agentin des Soaring Eagle grundlos an und obwohl ich kooperieren wollte hat sie mich zusammen geschlagen und meine Fähigkeiten blockiert, wie auch immer sie das geschafft hat.“, berichtete er. „Ich wurde dann in irgend so eine Einrichtung geschleppt und dort von denen und von einer SHIELD Agentin verhört. Nicht gerade sehr freundlich, ich durfte nicht mal jemanden anrufen und keiner sagte mir, was ich denn nun falsch gemacht habe.“.
Wieder ein Seufzen gepaart mit einem Kopfschütteln.
„Später habe ich dann erfahren, dass sie basierend auf einer Genprobe festgestellt haben, dass mein biologischer Vater, den ich in meinem Leben noch nie persönlich getroffen habe, der Mörder des Präsidenten ist. Vermutlich habe ich es deshalb so abgekriegt. Keine Ahnung.“. Er zuckte leicht mit den Schultern. „Fühlte sich an wie Sippenhaft, dabei schätze ich sogar, dass ich ihm völlig egal bin und das soll mir auch recht sein wenn er ein Mörder ist.“. Er rümpfte etwas angewidert die Nase.
„Naja ich war dann in einer Zelle und eine Teleporterin hat mich befreit, sonst wäre ich wohl immer noch da oder noch schlimmer … keine Ahnung … ich sitz‘ jedenfalls ganz schön in der Tinte glaube ich.“.
Wieder ein Seufzen und plötzlich ein kurzes, unerwartetes Schmunzeln.
„Naja Tinte fällt an mir ja zum Glück nicht so auf.“, scherzte er dann über seine Hautfarbe. Man merkte jedoch, dass Kurt mit seinem Humor versuchte die negativen Erfahrungen zu überdecken. Seinen Schmerz von der Außenwelt abzukapseln.
Steve hatte das mit dem zerschlagenen Jungen sehr schnell und sehr scharfsinnig eingeschätzt. Das Kurt gerade wohl immer noch ziemlich unter Schock stand zeigte sich darin, dass der junge Mutant sich noch einmal kurz umblickte bevor er sich traute etwas näher zum freigelegeneren Hof und damit dem Captain zu kommen. Nicht wegen Steve, sondern einfach, weil man dort besser gesehen wurde und der Schutz der Bäume und Büsche des Parks nicht mehr ganz so gut gegeben war. Nightcrawler hatte sich früher oft so verhalten. Taute schließlich beim Institut sehr auf und wurde mutiger. Aber nach seiner Gefangennahme und der ungerechten Behandlung die er dort erleben musste war es fast klar, dass einige alte Wunden ebenfalls wieder aufgerissen waren und Wagner ein wenig in sein altes Muster zurückgefallen war. Mit der Angst im Nacken ständig verfolgt zu werden. Und sich alleingelassen und hilflos zu fühlen. Trotzdem: Die Chance seinen Helden einmal kurz zu treffen sorgte dafür, dass zumindest für den Moment das Riesen Sorgenpaket des Mutanten in den Hintergrund rückte.
„Guten Morgen!“, entgegnete Kurt freundlich und mit seinem bekannten deutschen Akzent. Wieder ein vorsichtiges Lächeln. „Mein Name ist Kurt. Kurt Wagner.“, stellte er sich dann auf die Frage des Captains vor. „Sie können mich gerne Kurt nennen.“, bot er dann auch direkt an. Der Teleporter kratzte all seinen Mut zusammen und auch seine Körpersprache deutete an, dass er sich zumindest in der Anwesenheit des Captains wohl ein bisschen sicherer zu fühlen schien als noch zuvor im Park.
„Es … es ist mir eine Ehre Sie zu treffen und ähm … also … Sie haben sicher viel zu tun aber ich möchte gerne einfach mal Danke sagen.“. Nightcrawler nickte. „Das … also … Sie sprechen oft für uns Mutanten und … Ihre Worte haben bei vielen Menschen da draußen immer noch viel mehr Gewicht als die Worte jedes anderen und … Danke dafür, wirklich! Ich glaube die Gesellschaft braucht das gerade sehr.“. Kurt blickte sein heimliches Idol mit großen und dankbaren Augen an. Als er das mit der Gesellschaft aussprach sah man in diesen jedoch, dass es nicht nur so eine übliche Floskel war, sondern das dieser offensichtliche Mutant eindeutig schon seine negativen Erfahrungen sammeln musste. Und ausgehend von seinen noch sichtbaren Verletzungen war dies wohl auch noch gar nicht so lange her. Zumindest eine dieser vielen schlechten Erfahrungen.
Grüß Dich, Bob! 🙂
Und herzlich Willkommen im Marvelous! 🙂
Immer schön, wenn nochmal ein bisschen Frischfleisch zu uns ollen Usern dazustößt. 😀
Kurts absolut unberechtigte Gefangennahme und die körperliche Tortur durch eine kaltblütige Agentin des Soaring Eagle war erst ein paar Tage her. Hätte Blink den teleportierenden Mutanten nicht aus der Gefangenschaft befreit, dann würde er vermutlich immer noch irgendwo in einem Loch sitzen. Ohne die Möglichkeit einen Anwalt hinzuzuziehen. Und nicht einmal mit der Möglichkeit das Institut anzurufen. Verständlicherweise saßen diese Erlebnisse Kurt noch buchstäblich in den Knochen. Trotz seiner indigofarbenen Haut konnte man einige violetter erscheinende Blutergüsse noch eindeutig sehen. An seiner linken Hand trug er außerdem noch eine Stütz-Schiene, denn Asbjorg hatte, während sie auf ihn eintrat, auf dieser Hand gestanden und sie dabei ziemlich verstaucht. Doch auch psychisch hatte der junge Nightcrawler nach diesem Erlebnis einiges zu verarbeiten: Zunächst fing es damit an, dass so eine Situation überhaupt entstehen konnte. Ja, Kurt wusste, dass die Welt ungerechter war. Und Kurt wusste, dass die Rechte von Mutanten immer mehr mit Füßen getreten wurden. Doch er hatte nichts falsch gemacht. Er hatte friedlich gelebt, sich an die Regeln gehalten, war vor diesem Vorfall sogar auf dem Weg zu einer New Yorker Feuerwache, da er diesen seine Fähigkeiten anbieten wollte und war zudem auch noch registriert. Doch das alles half ihm nichts. Er war ein Mutant, das reichte schon. Das Verhör später mit der hinzugezogenen S.H.I.E.L.D. Agentin war schließlich auch nicht die Krönung. Die Organisation, in der Wagner bisher noch ein bisschen Rest-Hoffnung hatte, schien ebenfalls nicht mehr mit sich reden zu lassen. Hinzu kam, dass er erfuhr, dass sein leiblicher Vater der Mörder des Präsidenten war. Seine schlimmsten Befürchtungen wurden wahr!
Nach all dem war es wohl kein Wunder, dass Kurt die letzten Tage nicht einmal wirklich Schlaf gefunden hatte. Auch heute morgen war er schon früh aufgewacht und hatte sich dazu entschlossen etwas Ablenkung zu suchen. Er war im großen Park des Instituts unterwegs, versuchte auch ein, zwei Teleports die endlich wieder funktionierten und hatte sich eine Weile auf eine Bank gesetzt und – als religiöser Zeitgenosse – den Rat bei Gott gesucht. Der ihm natürlich nicht antwortete. Aber Nightcrawler fühlte sich danach wenigstens etwas leichter.
Er machte sich dann wieder auf den Rückweg ins Institut und zuckte kurz zusammen, als er im ersten Moment eine Fremde Person und einen fremden Wagen erblickte, dachte, sie wären gekommen, um ihn wieder abzuholen. Ihn zu suchen. Doch gerade als er sich in rettende Distanz teleportieren wollte stutzte er. Moment Mal! Dieses Gesicht kannte er doch! Captain America! Nationalheld, Vorbild und moralische Instanz! Nightcrawler war ein großer Fan von Captain America. Sicher: Er war kein geborener Amerikaner, so gesehen, doch er hatte die USA zu seiner Heimat gemacht oder fühlte sich dort zumindest zu Hause (wenn man die aktuellen Ausschreitungen einmal ausklammerte). Und das Institut hier war immerhin seine Familie. Kurt fühlte sich diesem Land tief verwurzelt und damit auch irgendwie den Helden dieser Nation. Hinzu kam: Der Captain war wohl ein Paradebeispiel für eine gute, moralische Instanz. Etwas, wonach Kurt auch jeden Tag strebte. Der ‚Sohn des Teufels‘ wollte nämlich nichts unrechtes tun. Und jetzt, wo er erfuhr, dass sein ‚Erzeuger‘ tatsächlich ein Mörder war, machte er sich noch mehr Sorgen um seine Zukunft.
„C…C….Captain America!“, rutschte ihm eher stammelnd und leise heraus, seine Augen fest auf Steve gerichtet. Tatsächlich huschte Kurt jetzt sogar ein kleines Lächeln über das Gesicht. Das erste seit Tagen. Er winkte ihm etwas unbeholfen und schüchtern wirkend zu. „Hallo.“. Mehr brachte er gerade nicht heraus. Wow, das war doch ein guter Start in den Morgen, wenn man ein gewisses Idol in Lebensgröße treffen konnte.
„Kreativ?“, wiederholte Jake und stimmte dann in Cassandras Lachen ein. „Ich glaube man konnte das eher als chaotisch bezeichnen.“, scherzte er. „Zumindest hatte ich eine ganz vage Vorstellung, dass die Kombination wohl nicht zu abstrus werden wird.“. Der Mutant grinste und nickte dann zustimmend als sie meinte, dass es sicher schmecken würde was sie dann bei dem Treffen zusammenmixen und zusammen mixen würden. Ach es tat einfach gut in Zeiten wie diesen auch einfach mal total banalen Smalltalk zu führen und ein paar lustige Pläne zu schmieden statt immer Trübsal blasen zu müssen.
Dennoch gab es natürlich auch ernstere Themen. Das über die verschiedenen Gruppierungen und das es schwer war alle zu einen war ein Thema davon. Leicht lächelte der Echsenmann, als Brown ihm aufmunternd eine Hand auf den Arm legte. Jake freute sich nicht nur über diese kleine Geste ansich sondern auch über das, was noch dahinter stand. Das Cass wirklich absolut keine Berührungsängste vor Mutanten hatte war schließlich daran ebenfalls zu erkennen. Es war einfach schön zu sehen, dass ein gemeinsames Zusammenleben durchaus eine Möglichkeit war, egal wie unterschiedlich man vielleicht war und wie unterschiedlich man sogar aussah.
„Das stimmt, es tut gut, ein paar auf seiner Seite zu wissen.“, stimmte Jake ihr dann zu und nickte deutlich. „Trotzdem sollte man sich auch einen gelegentlichen Blick über den Tellerrand nicht ganz verwehren, schätze ich. Versuchen andersdenkende zu verstehen und vielleicht Lösungen zu finden … oder wenigstens sich so weit entgegen zu kommen, dass man sich nicht gleich in die Wolle kriegt, wenn mal ein paar Gedanken von der eigenen Blase abweichen.“. Wieder ein nicken. „Manchmal ist es sogar überraschend wie viele gemeinsame Punkte selbst diejenigen finden können, die auf den ersten Blick als totaler Kontrast wirken.“.
Die Erklärung mit dem Institut und den X-Men war wirklich schwer, aber Cass hatte einen wachen Verstand und schien schnell zu verstehen, was der Hausmeister des Instituts ihr erklären wollte. Ohne einen wachen Verstand wäre sie wohl auch kaum bei Pym-Tech gelandet. Was sie zum Thema Registrierung vermutete traf ebenfalls genau ins Schwarze. „Genau so ist es! Wow, ich hatte wirklich noch nie jemanden getroffen, der sich so gut in unsere Lage versetzen kann. Respekt, wirklich!“, meinte er anerkennend und sah auch durchaus beeindruckt aus. „Darüber gab es auch wirklich viele Diskussionen welcher Weg denn der richtige wäre. Komplett dagegen protestieren und sich rechtliche Probleme einhandeln und wieder einmal als ungehorsame überhebliche ‚Spezies‘ dargestellt zu werden. Oder zeigen, dass man durchaus bereit ist mit Gesetzen zu gehen, auch wenn man vielleicht trotzdem ein bisschen Input in den kritischen Diskurs gibt und versucht darzulegen, warum ein Gesetz vielleicht eher eine Gefahr als eine Lösung sein könnte.“, beschrieb Jake es. „Wir haben uns dann für diesen Weg entschieden. Sozusagen eine halbe Revolution. Ehrlich gesagt hätte ich persönlich lieber den stureren Weg gewählt, aber ich kann die Argumente nachvollziehen und hey, bei uns ist zumindest noch eine gewisse Demokratie am Institut vorhanden. Ist doch auch schön.“. Er schmunzelte kurz.
Auch Browns Gedanke bezüglich des Abwerbens traf ins Schwarze. Jake nickte.
„Das gibt es zu Hauf, ja.“, bestätigte er. „Gerade bei jungen Mutanten, die vielleicht auch mit sich selbst noch nicht ganz klar kommen, schafft eine etwas radikalere Gangart manchmal eine gefährliche Faszination. Die Bruderschaft hat es dann mitunter leicht solche zu erreichen.“. Er nickte. „Und schlimmer noch: Sie erreicht noch besser diejenigen, die sich in der Gesellschaft abgeschafft oder ausgestoßen fühlen. Also so gesehen … die aktuelle Politik verschafft der Bruderschaft und auch den anderen radikalen Gruppen so viele Neuzugänge wie nie zuvor. Es ist zu einem richtigen Teufelskreis geworden. Die Politik zieht die Daumenschrauben an und schränkt Freiheitsrechte von Mutanten mehr und mehr ein. Gewisse Gruppen zeigen mit dem Finger darauf und sagen: ‚Seht ihr, bald landen wir alle in einem Lager wenn wir uns nicht wehren.‘ … und hey: Es sieht grob betrachtet ja dann tatsächlich so aus. Es ist schwer Argumente dagegen zu finden. Dann driften wieder mehr Leute in radikale Gewässer, die Anschläge häufen sich, die Politik zieht die Schrauben noch enger an, und so weiter …“.
Er seufzte.
„Jedenfalls fürchte ich, wenn es so weitergeht, dann wird es da draußen definitiv noch sehr sehr ungemütlich werden. Für jeden einzelnen von uns, egal welche Seite, welche Spezies, welche Herkunft.“. Jake sah eindeutig besorgt aus. „Ich hoffe sehr, dass sich das Blatt noch rechtzeitig wendet.“
„Öööhm …“, meinte Jake kurz und grinste bereits. „Ich habe zumindest schon mal verschiedene trinkbare Flüssigkeiten zusammen gemischt die auch durchaus zusammen gepasst haben. Zählt das schon?“, meinte er schmunzelnd. „Aber wir können die Cocktails dann trotzdem zusammen machen, dann kann ich von Dir noch ein bisschen was über Cocktailkunst lernen.“. Er nickte. Zusammen etwas vorbereiten machte ja ohnehin mehr Spaß als wenn einer alleine die Arbeit hatte. „Ja, wir machen das zusammen. Das macht auch mehr Spaß.“, beschloss der Mutant und nickte wieder.
Bezüglich der Gruppen und deren Zusammenarbeit wurde das Thema jedoch wieder ernster. Still lauschte Jake dem, was Cass zu erzählen hatte. Sichtlich dachte er über ihre Worte nach und nickte dann ernst und langsam. „Auf den Punkt gebracht.“, kommentierte er knapp. „Dem kann man eigentlich nichts hinzufügen. Dennoch ist es gerade in einer Situation wie dieser, wo Zusammenhalt so wichtig wäre schade, dass immer noch so ein Konkurrenzdenken existiert, selbst bei den Gruppen, bei denen die Ziele recht stark überlappen.“. Jake sah kurz ein wenig betrübt aus. Er war so ein bisschen der Weltverbesserer, aber er wusste auch zu gut, dass er nicht so viel ausrichten konnte.
Cass Fragte, welchen Standpunkt das Institut zu dieser Thematik hatte. Wie sie schon richtig dachte: Hank war zwar in der Politik, aber sprach in dieser Funktion nicht für das Institut. Nur vielleicht als Teil des Instituts. Das Institut selbst hatte als Schule irgendwie so eine Sonderstellung. „Nun ja, das ist glaube ich recht kompliziert bei uns.“, meinte Jake dann und lächelte wieder leicht. „Als Schule ist man natürlich einer gewissen Neutralität verpflichtet und entsprechend hat der Professor auch eigentlich immer recht strikt dafür gesorgt, dass das Institut oder der Schul-Teil davon ansich nie so deutlich eine politische Stellung bezieht. Auch aus dem Grund, dass das Institut jedem Mutant signalisieren möchte, dass man dort willkommen ist.“. Er räusperte sich kurz. „Nun ja … so wirklich 100% funktioniert das aber natürlich nicht. Was öffentlich bekannt ist wäre unter anderem der Standpunkt, dass das Institut natürlich deutlich die radikalen Aktionen von Mutanten kritisiert und das wir alle daran glauben, dass Menschen und Mutanten in Frieden zusammen leben können. Und bei der Registrierungs-Sache hatten wir auch eine recht klare Meinung: Wir hielten uns zwar an die Gesetze und ließen uns registrieren, aber die Sache ansich haben wir als den falschen Weg bezeichnet.“. Er nickte. „Auf einem anderen Blatt stehen dann wohl die X-Men, die man aber eher von der Schule abgetrennt ansehen muss. Ich bin selbst auch ein stolzes Mitglied dieser … hmm … nennen wir es mal Organisation. Oder Team. Wir sind auch nicht wirklich politisch, aber haben uns natürlich auf die Fahne geschrieben unschuldige – egal ob Mensch oder Mutant – zu beschützen. Gerade in Fällen, wo die Fähigkeiten die wir haben von Nutzen sind. Das führt uns dann zu recht abwechslungsreichen Dingen. Manchmal was auf eigene Faust. Mit SHIELD haben wir auch schon zusammen gearbeitet. Und nun ja, als Pym Tech angegriffen wurde waren wir ja auch nicht ganz untätig. Ich war ja sogar selbst bei der Evakuierungsaktion dabei.“.
Auf Hank kam Jake natürlich auch zu sprechen bei diesem Thema ohne die Gedanken daran von Cass zu wissen. Aber es war natürlich naheliegend, denn McCoy war als so eindeutiger Mutant im Senat natürlich durchaus recht bekannt. Bekannt wie ein bunter Hund wenn man das einmal etwas spöttelnd ausdrücken wollte. „Und naja dann haben wir natürlich noch unseren Hank. Senator McCoy.“, setzte Jake also an. „Hank ist zwar Teil des Instituts und dort auch eine Lehrkraft. Und auch X-Men Mitglied. Aber seine politische Arbeit ist erst einmal vom Institut selbst ein wenig abgetrennt, auch wenn sich zumindest die moralischen Ansichten ziemlich stark überschneiden.“.
Er schmunzelte wieder kurz und winkte ab.
„Ja, Du siehst es … es ist kompliziert.“, fasste er alles noch einmal kurz zusammen. „Ich glaube es ist in einer Welt wie dieser auch recht schwer das politische komplett außen vor zu lassen. Irgendwann ist man doch gezwungen sich für eine Seite zu entscheiden oder eine Position zu vertreten, egal wie sehr man sich dagegen sträubt. Geht mir zum Beispiel genau so: Ich wäre wirklich extrem froh, wenn ich diese ganzen politischen Dinge einfach ignorieren könnte. Aber sobald ich draußen unterwegs bin … Du hast es ja vorhin gesehen. Man kann so dezent und still sein wie man möchte, die miese Politik da draußen sorgt dafür, dass man Probleme bekommt. Und dann bekommt man irgendwann das Bedürfnis daran etwas ändern zu wollen. Und schon macht man irgendwie selbst Politik … oder sowas in der Art.“. Er zuckte mit den Schultern. „Schwer zu erklären irgendwie, aber ich hoffe Du weißt was ich meine.“
Hallöchen,
also ich weiß zwar nicht, wie oft ich dann dort bin, aber ich hätte nichts dagegen und würde auf jeden Fall joinen. 😀
OK, OK: Lösen konnte man diese Sache am heutigen Tage wohl nicht mehr. Das musste Jake auch für sich selbst einsehen und akzeptieren und hatte auch nicht vor, die Beiden noch weiter als nötig in den sinnbildlichen Schraubstock einzuspannen. Immerhin konnte die Lage auch wenigstens grundsätzlich entspannt werden und das war doch schon mal ein Anfang. Außerdem gab es noch einen Fortschritt: Beide stimmten zu, dass Jake nicht ihr Feind war und hier die ’neutrale Schweiz‘ spielen wollte, die als Vermittler auftrat, und keine Partei ergreifen wollte. Immerhin sollte auch nicht der Eindruck entstehen, dass er jemanden bevorzugen würde. Tat er auch nicht. Als Freunde sah er sie Beide an und ebenso konnte er Beide sehr gut leiden.
„Na seht ihr! Wir machen kleine Schritte, aber es geht doch ein bisschen vorwärts.“, bemerkte er und lächelte ein wenig. „Dann will ich Euch auch mal besser nicht weiter unter Dru….“.
Bobby überraschte mit einem spontanen Schuldeingeständnis. Und endlich verstand auch Jake, was wohl zu diesem kleinen Konfliktchen geführt hatte. Das der Fortschritt nun doch plötzlich SO groß war sorgte dafür, dass auch Jake Bobby ähnlich verwundert ansah wie Leo das tat. Doch die Mimik des Echsenmannes wechselte schnell von Überraschung zu Zufriedenheit. Er nickte Bobby anerkennend zu. Gerade wenn die Gemüter noch frisch erhitzt waren, war so eine Geste doch mutig. Leo konterte sogleich, dass er mit SHIELD nichts zu tun hatte und nichts davon wusste, was der Geheimdienst so tat. Vermutlich wusste nicht einmal sein Vater alles.
„Danke, Bobby, dass Du etwas Licht ins Dunkel gebracht hast. Jetzt verstehe ich endlich was passiert ist.“, meinte er und seufzte kurz. „Aber ja, Leo hat recht. Egal wie … beschissen diese Sache lief und gehandhabt wurde … Leo kann nichts dafür. Und es würde mich nicht wundern wenn auch sein Dad oder viele andere SHIELD Agenten nicht alles wissen. So sind sie halt, diese Geheimdienste.“. Wieder ein kurzes Seufzen. „Trotzdem gut, dass wir die Ursache für diesen kleinen Zwischenfall jetzt doch noch auf dem Tisch hatten und ich hoffe, dass ihr Euch künftig wenn ihr Euch seht, zumindest nicht gleich wieder die Köpfe einschlagen wollt. Alles andere braucht sicher Zeit.“. Er nickte bekräftigend.
Und natürlich merkte Jake auch, dass Beide gerne aus dieser Situation heraus wollten. „Machen wir für heute schluss ihr Zwei, ich hab‘ Euch jetzt genug gefoltert. Aber wie gesagt: Wenn Redebedarf besteht … mein Angebot steht. Ihr wisst ja: ich bin ganz ganz schlimm harmoniebedürftig.“, er schmunzelte.
Leo schien auch ganz schnell von hier wegkommen zu wollen und entfernte sich … ging allerdings prompt in eine Richtung, die ihn zumindest nicht ganz so schnell Richtung Ausgang bringen würde. „Hey Leo, falls Du nicht noch einen längeren Spaziergang machen möchtest, wärst Du links rum schneller.“, rief Jake ihm noch nach. „Bis die Tage, hoffe ich! Dann kann ich Dir vielleicht noch ein paar nette Abkürzungen zeigen.“, verabschiedete er sich dann noch. Leo sollte immerhin wissen, dass er hier weiter Willkommen war.
Jake blickte zurück zu Bobby, der auch noch etwas bedröppelt dastand. „Das mit SHIELD nagt ganz schön an einem, oder?“, fragte Jake still. „Danke, dass Du die Schuld eingestanden hast trotz der angespannten Lage. Leo kann ja wirklich nichts dafür was passiert ist. Ich hoffe er ist jetzt nicht all zu sauer. Aber ich verstehe, dass Deine Nerven auch noch blank liegen.“. Jake seufzte kurz. „Meine Güte sind diplomatische Vermittlungen manchmal kompliziert … ich war doch irgendwie verpeilt oder?“. Er kratzte sich kurz am Kopf. „Naja …“, ein Schulterzucken folgte, „… bin zum Glück nur der Hausmeister, wenns mal noch schlimmer kommt ruf‘ ich Hank.“, scherzte er und klopfte Iceman freundschaftlich an die Schulter. „Alles wieder gut soweit bei Dir?“.
Ganz wohl war dem Echsenmann aber immer noch nicht. Er sah wieder in die Richtung in die Leo verschwand. Sollte er ihm vielleicht doch besser noch nach gehen, zumindest bis zum Tor? Oder ihn lieber erst einmal in Ruhe lassen? Der Grünling wollte niemanden enttäuschen und so zwischen zwei Stühlen war es gerade ziemlich schwer für ihn die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Das Wasser schaffte es zwar, Kurts Übelkeit etwas zu bekämpfen und ein paar Lebensgeister zurückzubringen, doch alles in allem fühlte sich der junge Mutant immer noch ziemlich mies. Was vermutlich mehr als verständlich war. Zum einen kratzte diese Situation psychisch bei ihm einige vergangene traumatische Erlebnisse auf und entsprechend unangenehm war das alles hier für ihn. Neben der Tatsache, dass so eine Verhörsituation wohl für jeden sowieso einen Stressmoment darstellen würde. Das aller schlimmste war jedoch, dass Asbjorg ihn wirklich ziemlich verletzt hatte. Die Hand war angebrochen und die Stellen, an denen er getreten wurden, pulsierten geradezu vor Schmerz. Gerade in der Bauchgegend. Es würde ihn wohl nicht wundern, wenn er dort inzwischen selbst mit seiner unterdrückten Mutation wieder seine gewohnte Hautfarbe angenommen hätte. Aber aus nicht-mutationsbedingten Gründen. Apropos Mutation: Das ihm diese gerade fehlte mitsamt allen körperlichen Eigenschaften, hatte natürlich auch keine positiven Auswirkungen auf sein Befinden.
Nightcrawler schob den Wasserbecher etwas zur Seite als die Agenten wieder eintraten, um Malhotra auf dem Tisch Platz zu schaffen. Seine Blicke glitten jedoch häufiger zu Sandvik. Ja: Diese Agentin wirkte wirklich extrem bedrohlich auf ihn. Und das er immer dann, wenn er sie sah, etwas in sich zusammen sackte wie ein verletztes Tier zeigte, wie viel Angst er vor ihr hatte. Wagner wollte immer tapfer sein, aber in dieser Gesamtsituation schaffte er es einfach nicht. Schon gar nicht, weil ihm alles, woran er sich sonst festhielt – seine Fähigkeiten eingeschlossen – einfach so genommen wurde. Und nicht mal seine Freunde in erreichbarer Nähe waren.
Pathmanathan setzte sich wieder, aber erst als sie ein kurzes ‚Hm‘ aussprach, schaffte Kurt es, seinen Blick wieder ganz auf die SHIELD Agentin zu richten. Spontan runzelte er verwirrt die Stirn als sie ihn fragte, ob er sie angelogen hätte. „N… Nein Ma’am!“, stammelte er. „Ich hab nicht …“. Sie legte ein Papier auf den Tisch und schob es Kurt hin, bevor sie mit ihrer Körpersprache eindeutig signalisierte, dass sie darauf wartete, dass der junge Mutant sich das Papier vornahm.
Kurt griff langsam danach, blickte wieder mit großen Augen zu Sandvik bevor er dies tat, zog das Papier zu sich und faltete es – zugegeben etwas ungelenk – auf. Mit der angebrochenen Hand und der ungewohnten Anzahl an Fingern (sein Gehirn war 18 Jahre etwas anderes gewöhnt) war der sonst so geschickte Akrobat immer noch ziemlich überfordert. Außerdem tat ihm alles weh, wenn er sich bewegte. Egal, ob dies nur ein Finger oder sein Oberkörper war.
Kurt faltete das Papier schließlich auf und laß. Während er dies tat konnte man geradezu beobachten, wie sich seine Hautfarbe veränderte. Von einem normalen, aktuell kaukasischen Hautton, hin zu einer Leichenblässe. In seinen Ohren klingelte es. Stimmte es, was er dort las? Sein Vater – sein biologischer Vater – war der Präsidentenmörder, der die ganzen Probleme in der Gesellschaft aktuell im Grunde erst so richtig ins Rollen brachte. Und noch schlimmer: Ein Mörder war? Die Gerüchte, die Nightcrawler immer über seinen leiblichen Vater hörte schienen wahr zu sein. Er sah wohl nicht nur aus wie der Teufel höchstpersönlich, er war es vielleicht sogar! – Oh nein!
Kurt legte das Stück Papier auf dem Tisch ab und starrte immer noch darauf.
Ein paar Mal atmete er kurz ein, so als wolle er was sagen, öffnete auch seinen Mund, aber bekam keinen Ton heraus.
Wieder starrte er blass auf das Papier, las es nochmal und nochmal.
„I … i …“, setzte er an.
„Gott steh mir bei. Das … das kann doch … das darf doch einfach nicht …“
Er schluchzte kurz und kniff die Augen zusammen, seine Hände zitterten leicht und er atmete ein paar Mal, um irgenwdie wieder Fassung zu gewinnen. Er wollte tapfer sein. Immer noch.
„Ich kann dazu nichts sagen. Wirklich nicht.“, sagte er dann und blickte verzweifelt zu Malhotra.
„Ich wurde adoptiert, da war ich noch ein Baby. Das einzige was ich von meinen leiblichen Eltern je erfahren habe war, dass sie mich im Stich gelassen hatten und das mein Vater aussehen würde wie der Teufel höchstpersönlich und ähnlich grausam wäre … jetzt lese ich zum ersten mal WIE grausam er wohl ist.“.
Er schüttelte betroffen den Kopf.
„Als mein Adoptivvater starb kam ich zum Münchner Zirkus. Sie können das nachprüfen, es gibt immer noch Poster im Netz davon und sowas. Danach lernte ich Charles Xavier kennen und kam ans Insitut. Ich hatte nie kontakt zu meinen leiblichen Eltern, ich weiß nicht mal wie sie heißen oder wie sie genau aussehen.“. Das war eine ziemlich knappe Zusammenfassung seiner Lebensgeschichte, aber es entsprach der Wahrheit.
„Sie denken doch nicht ich hätte etwas mit dem Präsidentenmord zu tun oder? Nur weil … nur weil … oh Gott!“.
Er schüttelte nervös den Kopf.
„Mord ist eine Sünde das …“
Wieder ein Kopfschütteln.
„Ich habe damit nichts zu tun. Und mit ihm auch nicht.“.
Demonstrativ schob er das Blatt wieder zurück zu der SHIELD Agentin.
„Was machen Sie jetzt mit mir? Darf ich … darf ich beim Institut anrufen? Bitte. Ich … ähm … Brauche ich jetzt einen Anwalt? Ich hab doch nichts unrechtes getan! Und ich kann mir meine Abstammung nicht aussuchen. Bitte glauben Sie mir.“
Nightcrawler war sichtlich verzweifelt. Er wusste nicht, was er sonst noch sagen konnte oder wie er seine wahren Worte bestätigen sollte. „Darf man mich überhaupt so festhalten?“, er hob seine Hände, die in Ketten lagen, etwas an. „Und vorher zusammen schlagen ohne Grund? Und mir meine Fähigkeiten wegnehmen?“. Auf die Furcht folgte wohl gerade ein wenig Panik. „Ich bin doch kein Schwerverbrecher, ich hab mich auch immer regelmäßig bei der Registrierungsstelle gemeldet und die hatten nie was auszusetzen!“. Er schüttelte den Kopf und atmete so schnell, dass er vom Hyperventilieren wohl nicht mehr weit entfernt war. Seine Füße – ebenfalls in Ketten – bewegten sich gegen den Widerstand von diesen hin und her. Fluchtreflex. „Bitte … bitte darf ich nach Hause? Bitte!“, flehte er.
Der gehoffte Effekt, dass dieser geschützte Raum die Frau vielleicht deutlicher beruhigen würde, blieb zunächst einmal aus. Offenbar hatte Jamie ein so großes Problem auf dem Herzen, dass sie es zunächst nicht einmal schaffte den Faden zu finden oder den Anfang. Kein Wunder also, dass Hank ohne Vorwissen erst einmal etwas verwirrt war. Schnell korrigierte sie allerdings das, was Dr. McCoy falsch verstanden hatte. Der Blaue entspannte sich zunächst wieder und hoffte, dass sich auch das eigentliche Problem, dass sie jetzt hatte vielleicht leicht lösen ließ. Wie sollte sie sich auch registrieren, wenn sie im Grunde erst seit kurzem Offiziell die Bestätigung bekam, dass sie eine Mutantin war? Irgendwie würde man da schon etwas drehen können. Wobei es aktuell mit beschädigter Registrierungsdatenbank und Ausnahmezustand durchaus eine extreme Hürde war. Das würde Hank ihr auch sicher nicht schön reden können. Aber wieso hielt man sie für eine mächtige Mutantin, die Feuer und Metall beherrschen konnte? Das ging aus dem, was Beast bisher beobachten konnte, immerhin nicht im Ansatz hervor. Jamie begann mit der Geschichte ganz von Anfang und klärte die unausgesprochene erneute Verwirrtheit des Wissenschaftlers nun schnell wieder auf.
Die kurze entspannte Phase in Hanks Gesicht wich schnell einem Stirnrunzeln, als Jamie – immer noch eher stammelnd aber etwas gefasster – das eigentliche Problem vortrug. Zu dem Stirnrunzeln kam dazu, dass sich Hanks Augen kurz etwas weiteten als Jamie die Geschichte ausweitete. Und schließlich sogar heraus ließ, dass bei dieser Sache jemand getötet wurde. Allerdings nicht von ihr. Aber die Polizei dachte das wohl. Der Mutant hielt kurz sogar die Luft an, als sie sprach, und stützte sich seinen Kopf leicht mit der Hand auf, ließ seine gespannten und aufmerksamen Blicke jedoch nicht von Jamie ab. Ein Phantombild gab es wohl auch. Und ihre Fingerabdrücke am ‚Tatort‘. „Uff …“, war das erste, was nach einem Moment des Schweigens aus Hanks Mund kam. Das musste er jetzt auch erst mal sacken lassen. Zumindest wusste er jetzt definitiv, warum Jamie so furchtbar aufgeregt war und warum sie dieses besondere Stück Privatsphäre eingefordert hatte.
Hank schluckte merklich und lehnte sich dann erst einmal auf dem Stuhl auf dem er saß etwas zurück und verschränkte kurz seine Arme vor der Brust, kratzte sich dann mit einer freien Hand jedoch am Kinn. Mit seinen Krallen war das Kratzen in dem ansonsten fast totenstillen Raum recht deutlich zu hören. Ebenso die Tatsache, dass Beast erst einmal wieder tief Luft holen musste. „Oh … das ist …“, setzte er an etwas zu sagen aber fand nicht die passenden Worte. Wieder änderte er seine Sitzposition. „Das ist … ein echt heftiger Brocken.“, gab er dann offen zu und nickte.
Er versuchte sich wieder zu fassen. „Hmm …“, meinte er und lehnte sich wieder etwas vor zu dem Tisch, der die Beiden trennte. Auch er musste jetzt erst einmal einen Schluck aus seiner Flasche trinken um damit auch etwas Zeit für weitere Worte zu gewinnen.
„Ich bin ganz ehrlich, das hätte bei der Registrierung zu Deiner direkten Festnahme geführt. Es ist richtig, dass Fingerabdrücke mit vorhandenen Strafakten verglichen werden.“, bestätigte er also zunächst ihren Verdacht. „Aber ewig verstecken kann man sich natürlich auch nicht. Schon gar nicht, wenn selbst ein Phantombild vorliegt. Das ist ja oftmals für die Ermittlungsbehörde fast wie ein Schuldeingeständnis.“. Er schüttelte den Kopf. „Verdammt, das ist wirklich eine extrem schwere Situation, ich bin gerade auch … ein bisschen … überfahren.“. Wieder ein kurzes Seufzen.
„Also zunächst einmal: Ich glaube definitiv an Deine Unschuld. Außerdem weiß ich ja recht genau, dass Deine Mutation so etwas nicht bewirken kann. Zumindest nach meinem aktuellen Wissensstand. Wir stehen ja noch immer relativ am Anfang, Du wusstest es ja selbst noch nicht sicher bevor Du bei mir warst.“, fasste er dann zusammen. „Das Problem wird sein: Wie kriegen wir Dich aus dieser Schlinge raus? Gerade jetzt in dieser angespannten Situation. Uff … das ist so schwer …“.
Er kniff kurz die Augen zusammen.
„Etwas in mir sagt: Wenn Du Dich stellst und ich vielleicht versichern kann, dass Du diese Fähigkeiten nicht hast, was Dich vielleicht entlastet, dann wird das alles schon irgendwie werden in einem Rechtsstaat. Aber aktuell … vermutlich zählt mein Wort nicht so viel, einfach, weil ich ein Mutant bin. Und dann würde ich Dich sozusagen ins offene Messer laufen lassen, weil Du dann definitiv mindestens eine Weile in U-Haft verbringen wirst.“.
Er rieb sich kurz mit seiner Pranke durchs Gesicht.
„Ich … ich habe versprochen Dir zu helfen, und das mache ich auch. Ich weiß allerdings gerade noch nicht wirklich wie ehrlich gesagt.“. Er wirkte nachdenklich. „Gab es denn schon eine öffentliche Fahndung mit dem Phantombild?“